Integration mit Fußball: Deutschland - Türkei

Und war das gestern wieder spannend. Mit hunderten Deutschland und Türkei Fans schauten wir uns das Halbfinale der EM 2008 im Cinemaxx in Hamm an. Wir sahen - und einige Male wegen technischer Störung nicht - eine starke türkische Mannschaft gegen eine gelähmt wirkende deutsche Truppe, wo letztendlich Deutschland mit einem Tor in der Schlussminute mit dem 3:2 für Deutschland ins Finale einzog.

Nach dem 2:2 dachte ich, dass die Türken das Spiel nach den Last-Minute-Toren nicht mehr aus der Hand geben würden. Leider machte Lahm seinen Fehler, welcher zum 2:2 führte, mit einem schönen Tor wieder weg.

Es war ein großerartiger Fußballabend, wo Deutschland der glücklichere war. Insgesamt hat aber die deutsche Elf nicht überzeugt. Zu langsam, schwache Zweikämpfe, Fehlpässe on mass, schlechtspielender Ballack.  Das wichtigste ist aber, dass man jetzt im Finale der EM 2008 steht. Und wenn man im Finale steht, ist man vor Gewinn nicht sicher!

Die Türkei wurde unterschätzt und konnte klar das Spiel lenken. Auch wenn das die B-Aufstellung der Türken war, war sie meiner Meinung nach der beste Spiele in der EM, die sie gemacht haben. Leider hat es nicht mehr gereicht. Vielen Dank Türkiye für so ein großartiges Turnier.

Fußball integriert. Das ist die Macht des Sports. Fußball bringt Nationen und Religionen zusammen. Auch wenn zwei Gruppen zwei verschieden Konkurenten favorisieren, können sie trotzdem damit leben und auch darüber lachen, wenn der eine verliert und der andere gewinnt.

In Berlin-Kreuzberg, einer Hochburg der türkischen Gemeinde, erholten sich die Fans schnell von ihrer Trauer. Viele schwenkten auf die deutsche Flagge um. Ein deutscher Fan stellte sich vor die Fernsehkamera mit seinem türkischen Freund. “Ich tröste ihn heute, ich trockne seine Tränen”, sagte der junge Mann im RBB (ntv).

Bundesweit sollen es ein sehr friedlicher Abend gewesen sein, ausgenommen von ein zwei Vorfällen, die dann bei jedem EM Spiel vorkommen. In Chemnitz, Dresden und Hannover soll es zu Ausschreitungen zwischen rechten und der Polizei gekommen sein.

In Dresden griff eine Gruppe Jugendlicher nach dem Spiel drei Döner-Buden an und verletzte zwei türkische Betreiber. Die 20 bis 30 Randalierer hätten außerdem türkische Fahnen angezündet. Mehrere Schaulustige und Mitläufer verfolgten die Randale. Auch in Chemnitz war die Stimmung laut Polizei sehr aufgeheizt. Als die Einsatzkräfte weitere Ausschreitungen verhindern wollten, seien die Randalierer plötzlich auf die Beamten losgegangen. Dabei wurden sechs Polizisten verletzt und mehrere Polizeiautos beschädigt. In Hannover nahm die Polizei 20 Rechtsradikale in Gewahrsam, die beim Fan-Fest wiederholt rassistische Parolen skandierten (ntv)

Joachim Löw und seine Abenteuerreise in die Türkei

In einem Artikel bei der Welt Online wird über die Zeit Joachim Löws in der Türkei berichtet, als er Trainer bei Fenerbahce Istanbul und Adanaspor war. Aus dem Artikel möchte ich zwei wichtige Aussagen vom Bundestrainer wiederholen:

Das Halbfinale gegen die Türken ist für Löw auch wegen der eigenen Vergangenheit ein Spiel mit einer besonderen Botschaft: „Wir leben in Deutschland mit Türken als Nachbarn zusammen. Ich wünsche gerade deshalb ein Spiel ohne Provokationen“, sagt der 48-Jährige. „Das deutsch-türkische Freundschaftsverhältnis soll nicht belastet werden.“

Ich habe von der Zeit enorm profitiert. Besonders bei Fenerbahce hatte ich mit allen im Verein ein hervorragendes Verhältnis“, sagt der Bundestrainer. „Am meisten fasziniert hat mich dort die unglaubliche Gastfreundschaft. Wenn ich unterwegs war, haben mich fremde Menschen eingeladen. Das waren teilweise arme Leute, die ihr Essen mit mir geteilt haben. Das hat mich sehr geprägt.“

Der Countdown hat längst begonnen. Am Mittwoch um 20:45 Uhr begegnen sich Deutschland und die Türkei im Halbfinal der EM 2008 in Basel. Die Herzen der 3,5 Millionen Türken in Deutschland ticken wie eine Bombe. das ist das Gesprächsthema nicht nur in jeder Männerrunde sondern auch bei türkischen Tratschtanten.

Ich wünsche der Mannschaft viel Glück, die weiter kommt :-)

Schwierige Wohnanlage - was Fußball alles bewirken kann

Türkei Deutschland EM

Gerade erreichte mich eine ganz nette Mail. Mit der EM kam nicht nur das Fußballfieber sondern auch  die Flaggen-Hysterie nach Deutschland. Heute früh sah ich ein Flaggen-Gefährt - ein Auto würde ich es nicht mehr nennen - wo die maximale Belastungsgrenze bestimmt erreicht wurde. Der Fahrer konnte vor lauter Fahnen die Straße nicht mehr sehen.

Jeder bekennt sich zu seiner Nation und da sind die Türken die Weltmeister. So wie auch an dieser schwierigen Wohnanlage…

Der Kommentar der Senderin dieses Fotos:

“die deutsche Flagge hängt wohl im Treppenhaus, kann also nur die deutsche Putzfrau aufgehängt haben :-))”

Und der Kommentar vom Sender der Mail:

Zumindest wünschen wir unserem Mutterland (Deutschland) und unserem Vaterland (Türkei), wobei diese austauschbar sind,  Donnerstag und Freitag viel Erfolg!!!

Entwarnung bei Ribéry

Inzwischen hat sich nach einer fachkundigen Analyse im Krankenhaus herausgestellt, dass sich Ribéry eine schwere Verstauchung des linken Knöchels zugezogen hat. Der zunächst befürchtete Bruch wurde nicht bestätigt. Er wird wohl nicht so lange ausfallen, wie angenommen.

Erstmal tief Luft holen…

Gute Besserung vom Migrantenkind ;-)

Ribéry-Schock: Verdacht auf Beinbruch

Ich hatte mich schon lange auf das Spiel Frankreich-Italien bei der EM 2008 gefreut! Es wäre das Endspiel für eins der Teams in der so genannten “Todesgruppe”. Leider war es ein trauriger Abend für mich, aber nicht weil Frankreich ausgeschieden ist…

Dass ich ein Ribéry Fan bin, weiß man ja. Umso mehr hat mich die Verletzung des französischen Nationalspieler traurig gestimmt. Zum Anfang des Spiels: der Ribéry-Schock! Bilal hat sich in einem Zweikampf wohlmöglich sein Bein gebrochen.

Doch dann war auf einmal nichts mehr lustig. Schon nach sieben Minuten verging allen das Lachen. Als Ribery im linken Mittelfeld Zam foulte und dabei mit dem linken Knöchel umknickte. Danach stand er nicht mehr auf. Erst schien es, als habe sich der Bayern-Star eine Bänderverletzung zugezogen. Doch so, wie er sich wand vor Schmerzen, wie er fast ohnmächtig zu werden schien und sich an den Betreuern festklammerte, ließ bereits Schlimmeres erahnen. Mannschaftskollegen und Gegenspieler wirkten allesamt entsetzt, scharten sich um die Trage, mit der Ribéry auf das Letzi-Mobil gehoben wurde, das Elektrofahrzeug im Letzigrundstadion für den Abtransport. Unter stehenden Ovationen der französischen und italienischen Fans wurde Ribéry aus dem Stadion gefahren (Abendzeitung).

Die Horror Szene ist zu Anfang der Eurosport Zusammenfassung des Spiels zu sehen.

Insbesondere sitzt der Schock bei den Bayern tief. Ein zentraler Führungspieler wird für einige Monate ausfallen. Michael Henke, ehemaliger Co-Trainer und in der kommenden Saison weiterhin Mitglied des Betreuerteams der Bayern, reagierte geschockt.

“Ich bin zwar kein Mediziner. Aber ich befürchte, dass Ribery die gesamte Vorbereitungszeit ausfällt und auch beim Bundesliga-Start am 15. August fehlt”, sagte er der “Bild” (Sport1).

Inschallah ist die Verletzung nicht so schwerwiegend, wie sie angenommen wird, und er wird bald wieder gesund.

EM Spot mit Ribéry und Toni

Die EM 2008 hat angefangen und die ersten Gruppenspiele sind absolviert. Passend zum EM Start fand ich ein Video von neulich zum Muslim des Jahres nominierten Ribéry und Toni.

Link: sevenload.com

Nominierung zum Muslim des Jahres 2008: Frank „Bilal“ Ribéry

Nicht einmal die erste Hälfte des Jahres 2008 ist zu Ende, trotzdem möchte ich schon vorab meine Nominierung für den „Muslim des Jahres 2008“ für Deutschland bekannt geben. Kurzzeitig musste ich überlegen, ob dieser Preis überhaupt verliehen wird. Wenn nicht, dann könnte man ihn einführen, wenn doch, dann sollte sich die Jury meinen Vorschlag zu Herzen nehmen.

Ich nominiere nicht irgendeinen bestplatzierten muslimischen Professor, der sich beim Nobelpreis mit dem 218. Platz begnügen musste, oder irgendeinen „Meister-Konverter“, der in diesem Jahr 3122 Nicht-Muslime zum Islam konvertiert hat, oder einen Imam, der den Koran zwei Mal in Folge auswendig gelernt hat. Nein, ich nominiere den französischen Fußballstar Frank „Bilal“ Ribéry vom frischgebackenen deutschen Rekordmeister FC Bayern München zum Muslim des Jahres 2008! TATAAA… Überrascht? Wieso gerade er? Was sind seine Verdienste?

Ribéry hat es geschafft den betenden Muslim in deutsche Wohnzimmer zu tragen! Es prägten uns die Bilder seines Bittgebets vor jedem Spielanpfiff mit ausgestreckten Armen und offenen Handflächen nach oben gerichtet, mit gesenktem Kopf und verschlossenen Augen, konzentriert, vertieft im Gebet, Allah bittend… Sogar Premiere startete eine Werbekampagne, die ungewollt vom betenden Ribéry ausgegangen war: „Die Gebete wurden erhört!“.

Der Knackpunkt seiner Beliebtheit ist nicht das obligatorische Bittgebet vor dem Spiel gewesen, sondern es waren seine fußballerischen Fertigkeiten, die den FC Bayern München zum Meistertitel verholfen haben. Er war einfach gut, vielleicht sogar der Beste in dem, was er machte, nämlich Fußballspielen. Dass er ein konvertierter Muslim ist, war eine Nebensache, die seitens der Moderatoren immer nur am Rande erwähnt blieb. Die Münchner Fans schlossen ihn in ihre Herzen ein, weil er ihnen das gab, was sie von ihm wollten: ein Klasse Spiel und schöne Tore!

Er hat weder seine islamische Identität groß an die Glocke gehangen noch die Menschen zum Islam gerufen. Er ist einfach seiner Profession nachgegangen und hat sie „muslim-like“ mit einem Lächeln auf den Lippen in größter Bravur absolviert. Er wurde zum Sympathieträger und Vorbild vieler junger deutscher Fußballtalente. Er ist auch uns Muslimen zum Vorbild geworden und hat uns gezeigt, wie man in der Gesellschaft akzeptiert und sogar geliebt werden kann.

Mein Lieblingsleitsatz ist: „Produzieren statt Konsumieren!“ Dieser Satz impliziert, dass man aktiv für diese Gesellschaft etwas auf die Beine bringt, etwas von sich gibt, sie bereichert, sie weiterbringt und nicht nur nimmt und konsumiert. „Die gebende Hand ist besser als die nehmende“ hat Muhammad – Gottes Segen und Heil auf ihn – gesagt. Und das hat Ribéry gemacht, er gab seinen Fans, was sie erwarteten - guten Fußball! Deswegen hat man ihn anerkannt und geliebt. Es gibt zahlreiche muslimische Profifußballer, nur keiner hat den Muslim salonfähig gemacht wie Ribéry.

Wenn Frank „Bilal“ Ribéry ein Vorbild für uns Muslime ist, dann müssen wir wie er, erstens unsere muslimische Identität nicht verstecken, sie aber auch nicht an die große Glocke hängen und zweitens die Besten in dem sein, was wir können und die Gesellschaft damit bereichern.
Ich freue mich auf die kommende Europameisterschafft und bereits schon auf die nächste Saison mit Ribéry & Co.

Nachtrag: Der Artikel Franck Bilal Ribéry “Immer an Gott glauben” wurde von einer Freundin empfohlen, der eine gute Ergänzung zu diesem Beitrag ist.