Wir behandeln Muslime wie Halbaffen
Ein Interview mit Jürgen Todenhöfer führte Çigdem Akyol, das im TAZ.de erschien. Todenhöfer, der Autor des Buchs “Warum tötest Du, Zaid?” und Friedensaktivist beantwortet Fragen zu Menschenrechten, zum Frieden, Irak, zur Beziehung zwischen Westen und Muslime.
Zu der Frage: “Sie behaupten, die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leide unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten. Die wären?” antwortet er:
Es gibt 45 muslimische Länder. Keines von ihnen hat in den letzten 200 Jahren ein westliches Land überfallen. Immer waren wir es, die militärisch angegriffen haben. An den blutigen Kreuzzügen, der Kolonisierung, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, den furchtbaren Massenvernichtungen unter den chinesischen und den sowjetischen Kommunisten, am Holocaust – an all diesen Verbrechen waren die Muslime nicht beteiligt. Wenn ich lese, dass in Deutschland trotzdem 83 Prozent der Menschen die Muslime für Fanatiker halten, wird doch deutlich, wie wenig wir über die muslimische Welt wissen. Die Fanatiker sitzen im Westen. Nirgendwo bin ich so viel Nächstenliebe und Gastfreundschaft begegnet wie in der muslimischen Welt.
Das komplette Interview können Sie unter taz.de – “Wir behandeln Muslime wie Halbaffen” durchlesen.
Integration durch Missionierung
Wie oft habe ich das gehört?
Wir leben in Deutschland und hier wird Deutsch gesprochen!
Das ist nicht die freundlichste deutsche Art, fremden Menschen zu begegnen. Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration! Das haben aber auch christliche Missionare begriffen. Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, die Integration in das Christentum. Wenn es um Missionierung geht, dann ist das Erlernen der deutschen Sprache nicht mehr so wichtig. Man kommt dem Ausländer gerne entgegen.
Ich kenne ja türkischsprachige Zeugen Jehovas, die freundlich an der Tür anklingen und mit deutschem Akzent in türkischer Sprache ansprechen. Türkischsprachige Plakate mit Zitaten aus der Bibel sind mir jetzt neu, wie jenes Plakat, dass ich in Hamm abgelichtet habe.
Mir fiel ein alternativer Text ein, als ich dieses Plakat sah:
Sprechen Sie Deutsch? Brauchen Sie auch nicht. Hauptsache Sie sind ein Christ!
Kopftuch vs. Kreuz
In einem – für alle verständlichen Artikel – zeigt Omar den Unterschied zwischen Kopftuch und Kreuz. Angeregt durch Lutz Tauberts Ansatz, der zu erklären versucht, was Kreuz und Kopftuch unterscheidet. Der Beitrag Herrn Tauberts fällt sehr subjektiv aus.
[...] Wir reden von Gleichbehandlung der Religionen (was in Ordnung ist oder mehr noch: von unserer grundgesetzlichen Ordnung her ausdrücklich geboten ist); aber wir können daraus nicht ohne weiteres auf eine Gleichbehandlung von religiösen Symbolen schließen. Vor allem dann nicht, wenn sie eine verschiedene Wertigkeit in der Wahrnehmung und Interpretation durch die Bürger im sogenannten religionsneutralen Staat haben. [...]
Wenn die Gesetze nach Wahrnehmung und Interpretationen der Bürger vewrstanden werden sollen, dann würde jeder seine eigenen Gesetze haben. Das kann doch nicht wahr sein.
Omar schreibt dazu:
Interessant: Was die Allgemeinheit der Bürger nach Herrn Taubert denkt, soll ausschlaggebend dafür sein, ob etwas verboten wird? Heißt das auch, dass er dem Verbot des Davidsterns zustimmen würde, wenn die Bürger Deutschlands es wieder als Symbol der angestrebten Weltherrschaft der Juden ansehen würden? Herr Taubert nutzt das schlechte Bild des Islams hier, um eine politische Agenda – die Bindung der deutschen Politik an die Kirchen – zu erzielen.
Leider ist der Unterschied Taubert, der Chefredakteur der evangelischen Presseverbandes in Bayern ist, nicht so deutlich geworden. Was ist denn jetzt der Unterschied?
Im Übrigen – es gibt natürlich einen Unterschied zwischen Kopftuch und Kreuz: das Kopftuch ist ein Bekleidungsstück, während das Kreuz nur an einer Halskette zur Bekleidung wird. An der Wand angehängt gehört es zur Ausstattung und im Allgemeinen ist es ein Symbol, was das Kopftuch zunächst einmal nicht ist. Zudem ist das Kreuz ein direktes Symbol des Christentums – es hängt in und an den meisten Kirchen meist mehrfach und symbolisiert durch seine Größe sehr oft Dominanz.
Das Kopftuch auf der anderen Seite gehört für die Muslima genauso wie die Bluse zur religiösen Bekleidung dazu. Das einzige, was es ausmacht liegt darin begründet, dass die umliegende Gesellschaft dieses Bekleidungsstück nicht trägt. Aber würde die Bluse auch zu einem gefährlichen Symbol mutieren, wenn die Mehrheit der Bürger sich entscheiden würden, sie nicht mehr zu tragen?
Ausländerdebatte: Schmelztiegel der Ängste
Nicolas Richter analysiert die gegenwärtig einseitige Ausländerdebatte und fordert die Muslime mehr Einfluss in der Politik zu gewinnen.
Die U-Bahn-Überfälle haben es wieder gezeigt: Wenn Muslime auffällig werden, trübt sich im Westen schnell der Verstand. Es wird Zeit, dass sich eine muslimische Elite herausbildet, die in der deutschen Politik an Einfluss gewinnt.
Seinen empfehlenswerten Artikel findet Ihr hier.
Hagen Rether: Scheibenwischer Jahresrückblick 29.12.07
Dritter Blogkarneval deutschsprachiger Muslime
Es steht der dritte Blogkarneval deutschsprachiger Muslime bevor. Mit einem Thema Eurer Wahl könnt Ihr bis zum 31. Mai am Blogkarneval teilnehmen. Sie findet am 1. Juni statt. Nähere Infos unter muslimkarneval.de.
Dokumentation: Der Islam – History Channel
Ein gelungener Beitrag.
Muslime in Deutschland verurteilen die abscheulichen Morde in der Türkei
Stimmen zum Mord an drei Christen in der Türkei:
Mit tiefem Entsetzen und Abscheu verurteilt der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) die unfassbaren Morde an drei Christen am gestrigen Mittwoch in der türkischen Stadt Malatya“, sagte der Sprecher des KRM Dr. Ayyub A Köhler am heutigen Tag. „Es gibt keine religiöse Rechtfertigung für solche Überfälle “ sagte er weiter und führte aus, „dass solche Taten niemals geduldet werden dürfen“. Er betonte, dass „der Koran das Recht auf Glaubensfreiheit im Vers 256 der zweiten Sura garantiert, wo es heisst: „Kein Zwang im Glauben““. Er sagte weiter: „Diese koranische Grundlage darf niemals in Frage gestellt werden und er endete mit der Hoffnung, „das wir der Versuchung widerstehen, das nun Christen und Muslime gegeneinander ausgespielt werden (islam.de).
Der Koordinationsrat der Muslime umfasst folgende Dach-und Spitzenverbände:
- DITIB – Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.
- IRD – Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V.
- VIKZ – Verband der Islamischen Kulturzentren e.V.
- ZMD – Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.
In einer ersten Erklärung verurteilte der Vorsitzende der IGMG, Yavuz Celik Karahan, den Überfall aufs Schärfste und bezeichnete die Tat als „barbarischen Akt“:
Dieser Angriff richtet sich gegen Muslime und Christen gleichermaßen. Die Täter handelten offensichtlich mit der Absicht, Unruhe zwischen Muslimen und Christen zu stiften und sie gegeneinander zu provozieren. Wir hoffen, dass die Urheber der Anschläge schnell gefasst werden und die Tat aufgeklärt wird. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt den Familien der Opfer (igmg.de)
Die unendlichen Skandale aus Dänemark
Dänemark, Dänemark, Dänemark… Ich hatte schon oft gelesen und gehört, dass Ausländer in Dänemark tagtäglich mit Diskriminierung konfrontiert seien. Bei meinem Besuch in diesem schönen Lande als Tourist, ist mir nichts Derartiges aufgefallen. Vielleicht sieht man ja im Touristen nicht den Ausländer, vor allem wenn dieser Geld mitbringt.
Nach dem Skandal um die “Mohammed-Karikaturen” und die darauf folgenden heftigen Debatten um Meinungsfreiheit in der Mehrheitsgesellschaft fällt ein Parlamentsmitglied Dänemarks mit der Tür in den nächsten Skandal hinein. Der dänische Abgeordnete Søren Krarup vergleicht das Kopftuch islamischer Frauen mit dem nationalsozialistischen Hakenkreuz!
Er sagte nämlich:
Das Kopftuch ist ein totalitäres Symbol und auf einer Stufe mit Symbolen, wie wir sie aus dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus kennen.
Und jetzt kommt der Knaller:
Genau wie die Nationalsozialisten alle anderen Rassen vernichten wollten, meint auch der Islam, dass alle mit einem anderen Glauben bekehrt und in letzter Konsequenz ausgerottet werden müssten.
Wenn ich als Muslim so eine absurde Behauptung lese, dann denke ich mir, dass diese Person kein Wissen über den Islam und die Weltgeschichte besitzt. Aber die Spitze ist, dass Søren Krarup ein Theologe ist! Aufgrund dessen vermute ich, dass der Herr Abgeordnete den “Knall” nicht gehört hat und entsprechend seines Berufes als “Rechtspopulist” einfach mit der Dreckschleuder um sich wirft, mit dem Ziel, irgendwas bleibt schon an diesen Muslimen hängen.
Irrsinnig zu behaupten, dass der Islam alle mit einem anderen Glauben bekehren und ausrotten möchte, zeigt auf, dass die Motivation von Søren Krarup auf Verleumdung, Hetze und Desinformation der Öffentlichkeit liegt.
Eindeutig weist der Qur’an die (zwanghafte) Bekehrung anderer Religionsanhänger kategorisch ab. Dazu steht im Qur’an:
Kein Zwang im Glauben. Rechtleitung ist bereits vom Abirren klar unterschieden, und wer die Götzen leugnet und an Allah glaubt, hat sich an die stärkste Handhabe gehalten, bei der kein Spalt ist, und Allah ist hörend und wissend (2:257, Übersetzung nach Ahmad v. Denffer).
Im Artikel “Religionsfreiheit aus islamischer Sicht” schreibt Ahmad v. Denffer dazu Folgendes:
[...]
(Die Anlässe der Offenbarung) hinsichtlich des Verses „Kein Zwang im Glauben“ folgendes: Eine Frau von den ansar machte ein Gelübde, daß sie, wenn sie einen Sohn haben würde, diesen zum Juden machen wolle, woraufhin, als er unter den Juden aufgewachsen war, die ansar wie auch die Juden sagten, er gehöre zu ihnen. Da wurde der Vers offenbart: „Kein Zwang im Glauben“, und Said bin Dschabir fügte (erläuternd) hinzu: „Und wer will, bleibt bei ihnen, und wer will, kommt zum Islam.“
Mudschahid, ein Koranexeget der 2. Generation, sagte zu diesem Vers: „Dieser Vers wurde hinsichtlich eines Mannes herabgesandt, der zu den ansar gehörte, der einen Knecht hatte, den er zum Islam zwingen wollte.“
Nach einem dritten Bericht, ebenfalls bei Nisaburi, handelte es sich um einen Mann, der zwei Söhne hatte. Diese waren von syrischen christlichen Kaufleuten zum Christentum gebracht worden und mit diesen Kaufleuten nach Syrien gezogen, und der Mann verlangte, daß sie vom Christentum ablassen sollten.
[...]
Der Vergleich des Kopftuches mit dem Nazi-Hakenkreuz ist eine Diffamierungskampagne gegen Muslime. Herr Krarup ich freue mich, sie aufgeklärt zu haben. “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!”
Das Spiel mit religiösen Gefühlen
Auch wenn Meinungsfreiheit und künstlerische Freiheit ein unverzichtbarer Pfeiler der Demokratie sind, können sie – je nach Intensität – Gefühle anderer verletzen. Eine lebensgrosse Jesus Skulptur aus Schokolade, die den Namen “My Sweet Lord” trägt, löste Empörung in der Katholischen Liga der USA aus. Der Vorsitzender, Bill Donohue, spricht von
einer der schlimmsten Verletzungen christlicher Gefühle, die es je gegeben hat.
Die Insensibilität der Ausstellung (New York) liegt nach der Meinung der Liga am Zeitpunkt. Genau zu Ostern, wo Schoko-Osterhasen in den Verkaufsregalen stehen (Blick Online).
Aus muslimischer Sicht ist jede bildliche Darstellung der Gesandten Gottes, unter denen sich auch Jesus (s) befindet, verboten. Ungeachtet dieser Regel existieren aber auch in der islamischen Welt vereinzelt Zeichnungen, die den Gesandten Muhammad (s) sehr selten mit offenem Gesicht, aber häufiger mit einem Gesichtsschleier zeigen.
Das Heilige anderer ist respektvoll zu behandeln. Erweise Respekt, so dass Du auch Respekt erfährst.


