Übertritte zum Islam in Deutschland vervierfacht

Erst kam zur Überraschung aller die Meldung, dass die Übertritte zum Islam in Deutschland vervierfacht wurde, danach wurden Einzelschicksale wie der Rechtsanwalt Nils von Bergner oder Begegnungen zwischen Christen und Muslimen präsentiert. Auch in anderen europäischen Ländern erstreckt sich das gleiche Bild. Sogar in den Nachrichten fand das Thema Platz.

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Erster bunter Blogkarneval deutschsprachiger Muslime

Der erste Blogkarneval deutschsprachiger Muslime präsentiert eine bunte Mischung aus Blogs, die die muslimische Lebenspraxis thematisieren. Die Gastgeberin Kopftuch und IT hat eine umfangreiche Zusammenfassung aller eingereichten Texte zusammengetragen.

Als Omar von TooMuchCookies das erste Mal den Vorschlag machte, solch einen Karneval zu organisieren war ich sofort begeistert – und skeptisch. Würden wir genug deutschsprachige, bloggende Muslime zusammentrommeln können, um einen anständigen Blogkarneval auf die Beine zu stellen ?

Doch jegweder Zweifel verschwand spätestens mit den ersten eingereichten Beiträgen – die Artikel welche schlussendlich zusammenkamen, sind nicht nur zahlreich, sondern behandeln anspruchsvolle Themen und geben einen interessanten und teilweise auch ungewohnten Einblick in das Leben eines Muslimen. Grund hierfür ist u.a. die bunte Mischung der Teilnehmer, welche aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen kommen und dementsprechend auch recht unterschiedliche Erfahrungen mit dem “Muslim-sein” in Deutschland gemacht haben. (Kopftuch und IT)

Ich gratuliere den Organisatoren Kopftuch und IT und Too Much Cookies für den gelungenen Start. Maschallah :-)

Als ich zum ersten Mal das Wort Blogkarneval gehört hatte, vertstand ich nur “Bahnhof”. Und alle Anderen, die dabei noch “Gleis zwei” verstehen, mögen erstmal die Einführung dazu lesen.

Ein Stück Stoff ändert das Leben – Leider!

In der Berliner Morgenpost fand ich diesen interessanten Artikel.
Guckst Du:

Für einen Tag legt eine Morgenpost-Reporterin ein Kopftuch an und wird optisch zur Muslimin. Ein Selbstversuch

Von Nicole Dolif

Oft, sehr oft, hat meine Bekannte Fatma mir von ihren Erfahrungen als Frau mit Kopftuch in Berlin erzählt. Fatma lebt seit mehr als 30 Jahren hier und spricht perfekt Deutsch. Ihre Tochter studiert. Und doch sagt sie: “Mit einem Kopftuch wirst du als Mensch zweiter Klasse behandelt.”

Bis jetzt konnte ich mir das nicht vorstellen. In Berlin leben 240 000 Muslime und dort, wo ich wohne, in Kreuzberg, gehören muslimische Frauen zum Straßenbild. “Aber sobald man tief in den Westen oder in den Osten fährt, starren die Menschen einen an”, sagt Fatma. “Nach Zehlendorf oder Marzahn fahre ich nur noch, wenn es unbedingt sein muss.”

Ich will wissen, wie diese Blicke sich anfühlen, die ablehnenden, die unsicheren – und auch die neugierigen. Für einen Tag verwandele ich mich in eine muslimische Frau, mit Kopftuch und langem Mantel.

Sorgfältig bürste ich meine Haare und binde sie straff nach hinten. Darauf setze ich ein weißes Käppi, das sogenannte Untertuch. Es soll dafür sorgen, dass das Tuch nicht verrutscht und sich keine Haare hervorkringeln.

Dann kommt das Tuch. Mittelblau, reine Seide. Fatma hilft mir, es richtig zu binden. Es wird mit einer Falte über den Kopf gelegt, dann unter dem Kinn mit einer Stecknadel befestigt. Die Enden werden kunstvoll drapiert und an der Schulter festgesteckt. Eine weitere Stecknadel oben auf dem Kopf hält alles an seinem Platz. Zaghaft bewege ich den Kopf hin und her. Nichts rutscht.

Im Spiegel eine fremde Frau

“Siehst toll aus”, sagt Fatma und strahlt mich an. “Richtig schick.” Ermutigt schaue ich in den Spiegel. Und sehe eine fremde Frau. Eine, die mir zwar ähnlich sieht. Aber eben nur ähnlich. Das Tuch umrahmt mein Gesicht und gibt ihm etwas Ernsthaftes, fast Strenges. Der lange Mantel ist elegant. Eine Weile laufe ich vor dem Spiegel auf und ab, gewöhne mich an mein neues Äußeres.Dann gehe ich los. Meine Bekannte wohnt im Graefekiez. Multikulti, überall Cafés und Kneipen. Das macht mir die ersten Schritte mit meiner neuen Identität leicht. Zielstrebig gehe ich auf ein Café zu. Fast jeden Tag war ich im vergangenen Sommer hier. Man kennt sich – dachte ich zumindest. Doch als ich mich an einem Tisch niederlasse, fragt die Kellnerin: “Was kann ich Ihnen bringen?” Ich bin verdutzt. “Hey, erkennst du mich denn nicht’, will ich sagen. “Ich trage doch nur ein Kopftuch.’ Aber ich sage nichts, sondern bestelle einen Milchkaffee. Es ist nicht besonders voll an diesem Morgen. Niemand nimmt Notiz von mir. Eine Frau mit Kopftuch ist hier nichts Besonderes.

Am Flughafen in Tegel und am Hauptbahnhof komme ich mir vor wie unsichtbar. Menschen mit Koffern hasten an mir vorbei. Kein Anrempeln, kein Blick in die Augen. Es ist fast, als sei ich gar nicht da. Das Kopftuch wirkt wie eine Tarnkappe – man verschwindet einfach. “Frauen mit Kopftuch werden oft nicht direkt angesehen. Es ist den Leuten irgendwie unangenehm”, erklärt mir Fatma.

Religiöse Gründe überwiegen

Sie hat das selbst erlebt. Diesen Unterschied. Denn Fatma hat nicht immer Kopftuch getragen. Erst vor etwa zehn Jahren hat sie angefangen, sich intensiver mit ihrem Glauben zu beschäftigen. “Dann hatte ich das Bedürfnis, ein Kopftuch zu tragen”, sagt sie. Aus eigenem Antrieb. Nicht, weil jemand es von ihr verlangt hätte.Damit bestätigt Fatma das Ergebnis einer neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Autoren haben 315 türkischstämmige Frauen befragt, warum sie ein Kopftuch tragen. Das Ergebnis: Das Tuch wird aus religiösen Gründen getragen. Der Einfluss männlicher Familienmitglieder spielt eine untergeordnete Rolle.

Und doch werden die Frauen, die ein Kopftuch tragen, als schwach wahrgenommen, als unterdrückt und nicht integriert. “Viele Menschen”, sagt Fatma, “gehen automatisch davon aus, dass ich kein Deutsch kann.” Oder davon, dass sie mit ihrem Kopftuch hier nichts zu suchen hat. Als sie vor einiger Zeit am Urbanhafen einen Hundebesitzer bat, seinen Hund an die Leine zu nehmen, da sie kleine Kinder dabei habe, sagte der nur: “Wenn dir das hier nicht passt, kannst du ja zurück in die Türkei gehen.” “So etwas ist mir ohne Kopftuch nie passiert”, sagt Fatma.

Am Kudamm betrete ich die Kosmetikabteilung eines großen Kaufhauses. Ich probiere Lidschatten und Puder, schaue mir verschiedene Lippenstifte an. Nur wenig entfernt stehen zwei Verkäuferinnen. Sie unterhalten sich angeregt, schauen mich kurz an – und reden dann weiter. Niemand kommt zu mir, fragt mich, ob ich Hilfe brauche. Oder wofür ich mich interessiere. Sicher eine Viertelstunde lang. Die Blicke der Verkäuferinnen sind unsicher. So als wüssten sie nicht genau, was sie mir, einer Frau mit Kopftuch, überhaupt zeigen könnten. Ich bin in eine Welt eingedrungen, in die ich nicht gehöre.

In die Augen schaut niemand

Auf dem Teltower Damm herrscht lebhafte Einkaufsatmosphäre. Ich bin die einzige Frau mit einem Kopftuch. Langsam schlendere ich an den Geschäften vorbei und beobachte dabei die Menschen, die mir entgegenkommen. An ihren Gesichtern kann ich erkennen, was in ihren Köpfen vorgeht. “Ob die wohl gezwungen wird, dass Ding zu tragen? Und ob die überhaupt Deutsch versteht?’ Doch richtig ins Gesicht, in die Augen, schaut mir niemand. Am Kontoauszugsdrucker der Sparkasse versuche ich, Blickkontakt zu der Frau gegenüber aufzunehmen. Nur einen Meter sind wir voneinander entfernt. Doch sie schaut kein einziges Mal zu mir. Ihr Blick ist auf den Boden gerichtet, als sei ich ihr unangenehm.Langsam habe ich genug davon, weit und breit die einzige muslimisch aussehende Frau zu sein. Ich sehne mich zurück nach Kreuzberg. Möchte für eine Weile abtauchen zwischen den vielen Kopftuchträgerinnen auf dem Kottbusser Damm.

Schon nach den ersten Metern wird mein Schritt dort fester, selbstbewusster. Neben mir, vor mir, hinter mir – überall Frauen wie ich. Niemand wirft mir einen verstohlenen Blick zu. An einem Obststand bleibe ich stehen. Der Verkäufer fuchtelt mit einem Apfel in der Hand vor mir herum und redet ganz selbstverständlich auf Türkisch auf mich ein. “Es tut mir leid, ich verstehe nichts”, sage ich schließlich. “Ach so”, sagt er sofort auf Deutsch, “ich habe nur gesagt, dass diese Äpfel hier besonders gut sind. Kannst Du probieren.” Ich lächle ihn an. Es ist das erste Mal an diesem Tag, dass jemand auf mich als Person reagiert – und nicht nur auf das Kopftuch.

Respekt von Jugendlichen

An der Ecke zum Paul-Lincke-Ufer stehen ein paar türkische Jugendliche. Vielleicht so 16 oder 17 Jahre alt. Sie spielen mit ihren Handys, flachsen herum. Schon oft bin ich an solchen Cliquen vorbeigegangen. Und eigentlich kam jedes Mal irgendeine Bemerkung. Diesmal passiert das Unerwartete: Als ich mit meinem Kopftuch vorbeimarschiere, gehen sie wohlerzogen zur Seite und machen mir Platz. Freundliches Lächeln, keine Anmache: Das Kopftuch als Schutz vor pubertierenden Jugendlichen. Doch in die Überraschung mischt sich Ärger. Schließlich will ich auch als Frau mit offenem Haar ohne Belästigung durch die Straßen laufen können.Die Wirkung des Kopftuches ist groß. Dabei ist es nur ein kleines Stück Stoff. 100 mal 100 Zentimeter groß. Manchmal etwas größer. Und doch verändert es alles. Es ist Anlass für hitzige Debatten. Es sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frau – sagen die einen. Die anderen, dass sie sich diskriminiert fühlen, durch ein Verbot in ihrer Religionsausübung behindert.

Die Blicke, die ich wahrgenommen habe, waren teils ablehnend, teils unsicher. Vielleicht hätte der eine oder andere Berliner mich sogar angesprochen. Mich gefragt, warum ich dieses Tuch trage. Und wie ich mich damit fühle. Aber die Berührungsängste waren zu groß, es blieb bei verstohlenen Blicken.

Mein Tag als muslimische Frau geht zu Ende. Ich ziehe den langen Mantel aus und schlüpfe in meine Daunenjacke. Fatma hilft mir, die Nadeln aus dem Tuch zu ziehen. Meine Haare kleben unter dem Käppi am Kopf. Mit allen Fingern fahre ich hindurch, schüttele meinen Kopf hin und her. Es fühlt sich gut an. Leicht und frei. Endlich kann ich mich wieder am Ohr kratzen, ohne Angst zu haben, dass das Tuch verrutscht.

“Man gewöhnt sich so schnell an das Kopftuch”, sagt Fatma, “ich fühle mich mittlerweile ohne Tuch regelrecht nackt.” Bei ihr ist das Kopftuch eine Überzeugung. Für mich war es der Versuch nachzuempfinden, wie sich muslimische Frauen in unserer Stadt fühlen. Es war eine Verkleidung. Und nach einem Tag im Kostüm ist es gut, wieder ich selbst zu sein. Auch wenn mir die türkischen Jugendlichen vor dem Internetcafé in unserer Straße jetzt sicher wieder hinterher pfeifen.

So eine wie die brauchen wir nicht

Eine Szene will mir auch danach nicht aus dem Kopf. Auf dem Weg zum Auto sehe ich am Teltower Damm neben einer Bushaltestelle ein älteres Ehepaar sitzen. Der Mann trägt eine hellblaue Baseball-Kappe und sitzt auf der Bank, sie steht neben ihm. Ich spüre ihre Blicke, beschleunige meinen Schritt. Als ich an den beiden vorbeigehe, höre ich, wie er zu ihr sagt: “So eine wie die können wir hier nicht brauchen.” Ich erstarre, will mich umdrehen, den Mann zur Rede stellen. Doch die beiden sind schon aufgestanden und gehen in die andere Richtung.Welche Demütigung. Nicht das Kopftuch, sondern die Feindseligkeit dieses Mannes.

Quelle: Berliner Morgenpost

Sensationswert in Deutschland: null

Mir ist ein Zitat von Rüdiger Göbel (Junge Welt) aufgefallen, wobei er die deutschen Medien kritisiert. Heuchelei und Sensationslust sind wohl Garanten für hohe Auflagen bzw. hohe Absätze für die Medien-Konzerne in der Freien Wirtschaft. Solche Stories verkaufen sich wohl besser, da sie beim sensationslustigen Publikum bzw. Leser nicht mit Ablehnung ankommen. Hier das Zitat:

“Posieren NATO-Soldaten in Afghanistan mit einem Totenschädel, und die Fotos werden bei Bild oder RTL veröffentlicht, müssen sie mit Entlassung aus der Truppe rechnen. Töten NATO-Soldaten Afghanen, können sie mit Beförderung rechnen. Für die Boulevard-Medien sind sie wie die Ermordeten uninteressant.

Während der Springer-Konzern am Freitag seine Wochenendausgaben mit der Ankündigung bewarb, neue Bilder von Soldaten des Afghanistan-Einsatzkommandos beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zu zeigen, räumte die NATO-geführte Internationale Afghanistan-Truppe (ISAF) am Hindukusch ein, bei Einsätzen in dieser Woche »mindestens zwölf Zivilisten« getötet zu haben. Afghanische Behördenstellen sprachen dagegen von mindestens 60 bis 80 Zivilisten, die bei Luftangriffen in den Bezirken Pandschwaji und Paschmul in der südlichen Provinz Kandahar getötet worden seien. Sensationswert in Deutschland: null.”

Quelle: Islamische Zeitung

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