Kriegsverbrechen in Israel: Alle wussten es, nur niemand sprach es aus
Nach und nach kommen Details des Gaza-Kriegs ans Tageslicht. Die grausame hohe Zahl unschuldiger Zivilisten (1434 Tote, 5303 Verletzte), die getötet wurden, war, wie jeder halbwegs intelligente Mensch es sehen muss, der Inbegriff der Unverhältnismäßigkeit.
Nun berichten israelische Soldaten, dass sie wahllos Zivilisten getötet und mutwillig zerstört haben. Israelische Soldaten schokieren mit Zeugenaussagen über den Gaza-Krieg.
Einer der Kommandeure erzählte etwa von einer Anweisung, eine ältere Palästinenserin zu erschießen, die in etwa 100 Meter Entfernung von einer israelischen Stellung auf der Straße ging. Er sprach dabei von «kaltblütigem Mord». Ein anderer Kommandeur erzählte, wie ein Scharfschütze eine Mutter und ihre zwei Kinder erschoss, weil sie versehentlich eine falsche Straßenabbiegung nahmen. «Ich glaube nicht, dass er sich besonders schlecht fühlte, weil er aus seiner Sicht nur nach seinen Vorschriften handelte.»
Insgesamt habe der Eindruck vorgeherrscht, «dass das Leben von Palästinensern sehr, sehr viel weniger wichtig ist als das Leben unserer Soldaten», sagte er. Beim Stürmen von Häusern, in denen sich Zivilisten aufhielten, hätten Soldaten häufig wahllos und ohne Vorwarnung um sich geschossen. «Die Vorgesetzten sagten uns, dies sei in Ordnung, weil jeder, der dageblieben ist, ein Terrorist ist», erzählte einer der Soldaten. «Ich habe das nicht verstanden – wohin hätten sie denn fliehen sollen?» Andere Soldaten hätten ihm gesagt, man müsste alle töten, «weil jeder Mensch in Gaza ein Terrorist ist».
Viele Soldaten hätten auch mutwillig den Besitz palästinensischer Familien zerstört, «weil es ihnen Spaß macht». «Wir können sagen, sooft wir wollen, dass die israelische Armee moralisch überlegen ist, aber im Feld ist das einfach nicht so.»
In einem anderen Beitrag berichtet die Islamische Zeitung, dass “Ärzte für Menschenrechte” der israelischen Armee vorwirft, die Ethikrichtlinien verletzt und das Leben von Palästinensern gering geschätzt zu haben.
Nach Angaben der Ärzteorganisation wurden 41 Palästinenser, die im Gesundheitsbereich arbeiteten, getötet. Darüber hinaus habe die Armee 34 Gesundheitszentren angegriffen. Solche Angriffe verletzten das internationale humanitäre Völkerrecht.
Guardian berichetet ebenfalls von Kriegsverbrechen der Israelis im Gaza Krieg.
- Palästinensische Zivislisten als Schutzschilde benutzt (Video).
- Ärzte und Helfer wurden geziel angegriffen (Video).
- Zivislisten ohne Rücksicht beschossen (Video).
Auch der Historiker und Buchautor Daniel Cil Brecher, der Sohn österreichisch-jüdische Holocaust-Überlebender, der 1986 “von Israel enttäuscht” nach Europa ging und sich bewusst für das Leben in der Diaspora entschied, nimmt zum Vorwurf Gewalt gegen Zivilisten im Gaza-Krieg Stellung. Deutschland Radio strahlte folgendes Interview aus: Interview als MP3.
Wir behandeln Muslime wie Halbaffen
Ein Interview mit Jürgen Todenhöfer führte Çigdem Akyol, das im TAZ.de erschien. Todenhöfer, der Autor des Buchs “Warum tötest Du, Zaid?” und Friedensaktivist beantwortet Fragen zu Menschenrechten, zum Frieden, Irak, zur Beziehung zwischen Westen und Muslime.
Zu der Frage: “Sie behaupten, die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leide unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten. Die wären?” antwortet er:
Es gibt 45 muslimische Länder. Keines von ihnen hat in den letzten 200 Jahren ein westliches Land überfallen. Immer waren wir es, die militärisch angegriffen haben. An den blutigen Kreuzzügen, der Kolonisierung, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, den furchtbaren Massenvernichtungen unter den chinesischen und den sowjetischen Kommunisten, am Holocaust – an all diesen Verbrechen waren die Muslime nicht beteiligt. Wenn ich lese, dass in Deutschland trotzdem 83 Prozent der Menschen die Muslime für Fanatiker halten, wird doch deutlich, wie wenig wir über die muslimische Welt wissen. Die Fanatiker sitzen im Westen. Nirgendwo bin ich so viel Nächstenliebe und Gastfreundschaft begegnet wie in der muslimischen Welt.
Das komplette Interview können Sie unter taz.de – “Wir behandeln Muslime wie Halbaffen” durchlesen.
Wenn das Kopftuch im Weg steht
Ein sehr schöner Artikel über deutsche kopftuchtragende Muslima, die sich als ein Teil der deutschen Gesellschaft sehen aber nicht so wahrgenommen werden. Wenn das Kopftuch im Weg steht.
Zitate:
- Eine Lehrerin mit Kopftuch? – Nein danke!
- “Mein Kopftuch ist die Kirsche auf der Sahne”
- Hoda ist einfach Hoda – mit und ohne Kopftuch
- “Das Kopftuch war mir wichtiger”
- “Es ist ein Kampf gegen Windmühlen”
- Mit dem Kopftuch kam die Ablehnung
- Kopftuch? Ja! – Aber keine Isolation
- In England ist vieles anders
Hier geht es zum Artikel Wenn das Kopftuch im Weg steht.
Wir werden uns fragen, warum sie den Westen so sehr hassen
Robert Fisk ist Nahost-Korrespondent der brittischen Tageszeitung The Independent. In seinem Artikel Why do they hate the West so much, we will ask, der am 07.01.2009 erschienen ist, hält Robert Fisk erschreckend fest, wie einseitig der aktuelle Gaza-Krieg diskutiert und bewertet wird, obwohl die Fakten ein ganz anderes Wort sprechen.
Die Übersetzer sind Hergen Matussik und Susanne Schuster, die Mitglieder vom Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt Tlaxcala sind.
Hier der Artikel auf Deutsch:
Israel hat also wieder einmal die Pforten der Hölle für die Palästinenser geöffnet. Vierzig Zivilisten, die in einer Schule der Vereinten Nationen Zuflucht suchten, sind tot, drei weitere starben in einer anderen Schule. Nicht schlecht für die Arbeit einer Nacht in Gaza, vollbracht von der Armee, die an die „Reinheit der Waffen“ glaubt. Aber warum sollten uns darüber wundern?
Haben wir die 17.500 Toten – fast alles Zivilisten, die meisten von ihnen Frauen und Kinder – vergessen, die das Ergebnis von Israels Invasion in den Libanon im Jahr 1982 waren? Die 1.700 palästinensischen Zivilisten, die während des Massakers in Sabra und Shatila getötet wurden? Das Massaker in Qana in einem UN-Stützpunkt mit 106 getöteten libanesischen zivilen Flüchtlingen, mehr als die Hälfte von ihnen Kinder? Das Massaker an den Flüchtlingen von Marwahin, denen die Israelis im Jahr 2006 befohlen hatten, ihre Häuser zu verlassen, und die dann von der Besatzung eines israelischen Hubschraubers abgeschlachtet wurden? Die 1.000 Toten während derselben Bombardierung und Invasion des Libanon im Jahr 2006, fast alle von ihnen Zivilisten?
Das wirklich Erstaunliche ist, dass so viele westliche Führer und Premierminister und, wie ich fürchte, so viele Redakteure und Journalisten wieder die alte Lüge übernommen haben, dass Israel sich so überaus große Mühe gibt, zivile Opfer zu vermeiden. „Israel unternimmt jede erdenkliche Anstrengung, um zivile Opfer zu vermeiden,“ verkündete ein weiterer israelischer Botschafter nur Stunden vor dem Massaker in Gaza. Jeder Präsident und Premierminister (und Bundeskanzler, A.d.Ü.), der diese Lüge wiederholte, um zu entschuldigen, dass ein Waffenstillstand vermieden wird, hat das Blut der Schlächterei der letzten Nacht an seinen Händen. Hätte George Bush 48 Stunden zuvor den Mut gehabt, einen sofortigen Waffenstillstand zu verlangen, diese 40 Zivilisten, die Alten und die Frauen und Kinder wären noch am Leben.
Was geschehen ist, ist nicht nur beschämend – es ist eine Schande. Wäre es übertrieben, von einem Kriegsverbrechen zu sprechen? So würden wir nämlich diese Grausamkeit nennen, wäre sie von Hamas begangen worden. Ich fürchte also, es war ein Kriegsverbrechen. Nachdem ich über so viele Massenmorde durch die Armeen des Nahen Ostens berichtet habe – durch syrische Truppen, durch irakische Truppen, durch iranische Truppen, durch israelische Truppen – wäre Zynismus wohl die Reaktion, die von mir am ehesten zu erwarten wäre. Aber Israel nimmt in Anspruch, es kämpfe unseren Krieg gegen den „internationalen Terror“. Die Israelis behaupten, sie kämpften in Gaza für uns, für unsere westlichen Ideale, für unsere Sicherheit, für eine Sicherheit, die unseren Anforderungen entspricht. Und damit sind wir Komplizen in der Barbarei, die Gaza jetzt heimsucht.
Ich habe über die Entschuldigungen berichtet, mit denen die israelische Armee bei diesen Verbrechen in der Vergangenheit aufwartete. Da es wahrscheinlich ist, dass diese in den kommenden Stunden wieder zum Einsatz kommen, seien hier nochmals einige von ihnen aufgeführt: Die Palästinenser töteten ihre eigenen Flüchtlinge. Die Palästinenser gruben die Leichen auf Friedhöfen aus und deponierten sie in den Trümmern. Letztlich sind die Palästinenser die Schuldigen, weil sie bewaffnete Einheiten unterstützen, oder weil bewaffnete Palästinenser willkürlich unschuldige Flüchtlinge als Deckung benutzten.
Das Massaker von Sabra und Shatila wurde von den mit Israel verbündeten rechtsgerichteten Libanesischen Falangisten begangen. Wie Israels eigens eingesetzte Untersuchungskommission aufdeckte, sahen israelische Truppen 48 Stunden lang untätig bei dem Massaker zu. Als Israel beschuldigt wurde, klagte die Regierung Menachem Begin die Welt an, Israel auf blutige Weise zu verleumden. Nachdem israelische Artillerie 1996 Granaten in den UN-Stützpunkt Qana gefeuert hatte, behaupteten die Israelis, dass dort auch Hisbollah-Kämpfer Zuflucht gesucht hätten. Es war eine Lüge. Für die mehr als 1.000 Toten des Jahres 2006 – ein Krieg, der begonnen wurde, als Hisbollah zwei israelische Soldaten im Grenzgebiet gefangennahm – wurde schlicht die Hisbollah verantwortlich gemacht. Israel behauptete, die Leichen von Kindern die während eines zweiten Massakers in Qana getötet wurden, seien möglicherweise von einem Friedhof dorthin gebracht worden. Es war eine weitere Lüge. Für das Massaker von Marwahin gab es nie eine Entschuldigung. Den Menschen des Ortes wurde befohlen, zu fliehen; sie gehorchten den israelischen Befehlen und wurden dann von einem israelischen Kampfhubschrauber angegriffen. Die Flüchtlinge nahmen ihre Kinder und stellten sie rings um den Lkw auf, in dem sie unterwegs waren, damit israelische Piloten sehen könnten, dass sie Unschuldige waren. Dann wurden sie von einem israelischen Hubschrauber aus nächster Nähe niedergemäht. Nur zwei überlebten indem sie sich tot stellten. Israel drückte noch nicht einmal sein Bedauern aus.
Zwölf Jahre zuvor griff ein israelischer Hubschrauber einen Krankenwagen an, der mit Zivilisten aus einem benachbarten Dorf unterwegs war – wiederum nachdem Israel das Verlassen der Gegend angeordnet hatte – und tötete drei Kinder und zwei Frauen. Die Israelis behaupteten, ein Kämpfer der Hisbollah habe sich in dem Krankenwagen befunden. Das entsprach nicht den Tatsachen. Ich habe über alle diese Gräueltaten berichtet, ich untersuchte sie und sprach mit den Überlebenden. dasselbe taten eine Reihe meiner Kollegen. Uns traf natürlich der geläufigste aller Vorwürfe: wir wurden beschuldigt, antisemitisch zu sein.
Das folgende schreibe ich ohne den geringsten Zweifel: Wir werden wiederum all diese skandalösen Lügengeschichten zu hören bekommen. Wir werden die Lüge hören, dass Hamas die Schuld trägt – und der Himmel weiß, dass sie genug Schuld zu tragen haben, auch ohne dieses Verbrechen hinzuzufügen – und wir mögen ebensogut die Lüge von den von Friedhöfen herbeigeschafften Leichen zu hören bekommen. Es ist beinahe sicher, dass wir die Lüge hören werden, dass Hamas-Kämpfer in jener UN-Schule versteckt waren, und mit absoluter Sicherheit werden wir die Lüge über antisemitische Diffamierungen hören. Und unsere Führer werden wütend hervorstoßen, dass es die Hamas war, die den Waffenstillstand brach. Das tat sie nicht. Israel brach den Waffenstillstand, zuerst am 4. November, als sechs Palästinenser bei einem israelischen Bombardement getötet wurden, und dann erneut am 17. November, als bei einem weiteren Bombardement vier weitere Palästinenser getötet wurden.
Es stimmt, Israel verdient Sicherheit. Zwanzig tote Israelis in der Umgebung von Gaza in zehn Jahren sind in der Tat eine düstere Zahl. Aber 600 tote Palästinenser in nur einer Woche, Tausende im Laufe der Jahre seit 1948 – als das Massaker der Israelis in Deir Yassin dazu beitrug, die Flucht der Palästinenser aus dem Teil Palästinas in Gang zu bringen, der Israel werden sollte – ist doch eine ganz andere Dimension. Dies ist nicht nur ein weiteres normales Blutvergießen im Nahen Osten, sondern es erinnert an Gräueltaten in der Größenordnung der Kriege auf dem Balkan in den 1990er Jahren.
Wenn der Araber sich mit unbändiger Wut und aufwieglerischer, blinder Raserei gegen uns, den Westen, wendet und blutige Rache sucht, werden wir natürlich sagen, dass wir gar nichts mit alledem zu tun haben. „Warum hassen sie uns?“ werden wir fragen. Aber lasst uns nicht vorgeben, dass wir die Antwort nicht wissen.
Quelle: Wir werden uns fragen, warum sie den Westen so sehr hassen
Die Scharia in Bayern
Nach der großen Niederlage der CSU in den letzten Landtagswahlen in Bayern, ist sie gezwungen eine Koalition mit der FDP einzugehen. Der FDP-Abgeordnete Georg Barfuß löste in den Reihen der CSU Empörung aus, als er verlangte, einen bestimmten Teil der Scharia, der mit dem Grundgesetz vereinbar sei, in das Grundgesetz aufzunehmen. Als Beispiele nannte er Fasten- oder Gebetsvorschriften im Islam.
Am Donnerstagabend veröffentlichte Barfuß zu der scharfen Kritik des stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzenden Karl Freller und des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann:
“Interpretationen, wonach ich die ‘Einführung der Scharia in Bayern’ gefordert hätte, entsprechen nicht der Realität und sind ein Missverständnis.” Er habe “lediglich darauf aufmerksam machen wollen, dass es für eine funktionierende Bürgergesellschaft selbstverständlich sein und kein Problem darstellen sollte, wenn Mitbürgerinnen und Mitbürger moslemischem Glaubens religiöse Prinzipien beherzigen und praktizieren, die nicht im Gegensatz zu den verfassungsmäßigen Grundlagen unseres Staates stehen”
Quelle: dieStandard
Kopftuch vs. Kreuz
In einem – für alle verständlichen Artikel – zeigt Omar den Unterschied zwischen Kopftuch und Kreuz. Angeregt durch Lutz Tauberts Ansatz, der zu erklären versucht, was Kreuz und Kopftuch unterscheidet. Der Beitrag Herrn Tauberts fällt sehr subjektiv aus.
[...] Wir reden von Gleichbehandlung der Religionen (was in Ordnung ist oder mehr noch: von unserer grundgesetzlichen Ordnung her ausdrücklich geboten ist); aber wir können daraus nicht ohne weiteres auf eine Gleichbehandlung von religiösen Symbolen schließen. Vor allem dann nicht, wenn sie eine verschiedene Wertigkeit in der Wahrnehmung und Interpretation durch die Bürger im sogenannten religionsneutralen Staat haben. [...]
Wenn die Gesetze nach Wahrnehmung und Interpretationen der Bürger vewrstanden werden sollen, dann würde jeder seine eigenen Gesetze haben. Das kann doch nicht wahr sein.
Omar schreibt dazu:
Interessant: Was die Allgemeinheit der Bürger nach Herrn Taubert denkt, soll ausschlaggebend dafür sein, ob etwas verboten wird? Heißt das auch, dass er dem Verbot des Davidsterns zustimmen würde, wenn die Bürger Deutschlands es wieder als Symbol der angestrebten Weltherrschaft der Juden ansehen würden? Herr Taubert nutzt das schlechte Bild des Islams hier, um eine politische Agenda – die Bindung der deutschen Politik an die Kirchen – zu erzielen.
Leider ist der Unterschied Taubert, der Chefredakteur der evangelischen Presseverbandes in Bayern ist, nicht so deutlich geworden. Was ist denn jetzt der Unterschied?
Im Übrigen – es gibt natürlich einen Unterschied zwischen Kopftuch und Kreuz: das Kopftuch ist ein Bekleidungsstück, während das Kreuz nur an einer Halskette zur Bekleidung wird. An der Wand angehängt gehört es zur Ausstattung und im Allgemeinen ist es ein Symbol, was das Kopftuch zunächst einmal nicht ist. Zudem ist das Kreuz ein direktes Symbol des Christentums – es hängt in und an den meisten Kirchen meist mehrfach und symbolisiert durch seine Größe sehr oft Dominanz.
Das Kopftuch auf der anderen Seite gehört für die Muslima genauso wie die Bluse zur religiösen Bekleidung dazu. Das einzige, was es ausmacht liegt darin begründet, dass die umliegende Gesellschaft dieses Bekleidungsstück nicht trägt. Aber würde die Bluse auch zu einem gefährlichen Symbol mutieren, wenn die Mehrheit der Bürger sich entscheiden würden, sie nicht mehr zu tragen?
Olivier Roy: Lasst uns aufhören, über Religion zu reden!
In einem Interview des Frankfurter Rundschausmit spricht der franzöische Politikwissenschaftler Oliver Roy über das verzerrte Bild des Islam, Integration der Muslime in Europa und Kampf der Kulturen.
Im lesenswerten Artikel “Lasst uns aufhören, über Religion zu reden!” spricht Oliver Roy Tacheles. Hier einige Zitate:
Integration wird üblicherweise geleistet auf Kosten traditioneller ethnischer Kulturen. Aber der Islam kann und sollte als Glaubensgemeinschaft umgestaltet werden und auf dem gleichen Fuß wie andere Religionen stehen. Praktizierende muslimische Gläubige fordern Gleichheit und nicht den Status als kulturelle Minderheit. Dennoch werden sie systematisch als fremde ethnische Kultur zurückgesetzt. Die emporstrebende muslimische Mittelschicht im Westen will als eine westliche Glaubensgemeinschaft beachtet werden und nicht etwa als fremde Kultur.
[...] zu viele Muslime sind bereits integriert, auch wenn ihre Integration nicht genügend anerkannt wird.
Die meisten religiösen Konservativen Europas befürworten eine Begrenzung der Freiheit des Ausdrucks – so gewann die französische katholische Kirche vor zwei Jahren eine Gerichtsschlacht, in der es um die Verbannung einer Darstellung des “Letzten Abendmahles” ging. Die Apostel waren darauf durch halbnackte Frauen ersetzt. Die meisten katholischen Bischöfe sind gegen die Schwulen-Hochzeit. Und nebenbei gesagt, haben viele Muslime eine sehr kritische Sicht zu der fehlenden Freiheit und Demokratie in arabischen Staaten, deren Regime von uns, dem Westen, unterstützt werden wie beispielsweise Tunesien oder Ägypten. Es ist keine Debatte zwischen Kulturen, wohl aber eine zwischen Werten. Zudem ist es eine Debatte, die innerhalb der Grenzen Europas geführt wird: Sollten wir etwa die katholische Kirche Spaniens als muslimisch bestimmen, nur weil sie die Säkularisation ablehnt, wie auch die Trennung von Kirche und Staat, die Schwulen-Hochzeit und die absolute Freiheit der Religion?
El Kaida und der Islamismus sind nicht dasselbe. Nicht alle Fundamentalisten sind politische Radikale, und es steckt tatsächlich eine kleine Religion in El Kaida. Fundamentalismus ist ein permanenter Trend in jeder Religion und es ist sinnlos, von außerhalb einen “guten Islam” zu befördern; der Fundamentalismus wird immer einige Leute erreichen.
Der Westen denkt, dass der Islam die Wurzel der Radikalisierung ist, also sehen wir automatisch in Bin Laden den Vorreiter der muslimischen Welt. Vielmehr sollten wir ihn bekämpfen als Terroristen, nicht als Muslim. Faktisch werden junge Menschen nicht deshalb zu Terroristen, weil sie den Koran lesen oder in die Moschee gehen.
Die Geschichte junger Terroristen ist die eines individuellen Heldensprungs zur Rettung der Umma der religiösen Gemeinschaft aller Muslime, vor der westlichen Barbarei. Die Religion spielt keine besondere Rolle in dem Prozess individueller Radikalisierung. Wir sollten diesen Heroismus delegitimieren, indem wir die Geschichte vom Heldentum entlarven, anstatt die muslimische Gemeinschaft aufzufordern, den Terrorismus zu verdammen – sie tun es, aber niemand scheint es zu hören. Lasst uns also aufhören, über Religion und Kultur zu reden, was weniger wichtig ist, sprechen wir besser von Politik und generationsabhängiger Radikalisierung.
Lasst uns die Integration von Muslimen und den Islam als westliche Religion behandeln und aufhören, den Fokus auf die Kriege im Nahen und Mittleren Osten zu richten, auf die wir keinen Einfluss haben, und von denen die europäischen Muslime viel weiter entfernt sind, als es angenommen wird.
Warum tötest Du, Zaid?
Das Buch “Warum tötest Du, Zaid?” von Jürgen Todenhöfer zeigt entgegen des Mainstreams eine andere Seite des Irakkriegs. Er erzählt von Zaid – einem jungen Irakker – , der gegen die amerikanische Besatzung kämpft.
“Warum tötest du, Zaid?” gibt jenen eine Stimme, zu denen die Presseoffiziere des Pentagon ihre Besucherdelegationen niemals hinführen – den Mitgliedern des irakischen Widerstands. Es versucht zu erklären, warum dieser Widerstand nicht nur gegen die amerikanische Besatzung, sondern auch gegen die Terroristen von Al-Qaida und gegen die von ausländischen Mächten unterstützten Privatmilizen irakischer Politiker kämpft. Und es will deutlich machen, wo die fundamentalen Unterschiede zwischen Widerstandskämpfern und Terroristen liegen (Zum Inhalt von “Warum tötest Du, Zaid?”).
Unter anderem nahm Jürgen Todenhöfer beim ZDF am Talk von Johannes B. Kerner als Gast teil.
Teil 1:
Teil 2:
Sehr überzeugend finde ich seine 10 Thesen zum Islam und zu Muslimen:
- Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabische Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung getötet.
Klicke hier zur Erläuterungen der These! - Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Für christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege kann nichts anderes gelten.
Klicken Sie hier zur Erläuterung der These. - Muslime waren und sind mindestens so tolerant wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten die zentralen Gebote.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Der Westen muss die islamische Welt genauso fair und großzügig behandeln, wie er Israel behandelt. Muslime sind so viel wert wie Juden und Christen.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen dem Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Nichts fördert den Terrorismus mehr als die „Antiterrorkriege“ des Westens. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selber ausfechten.
Klicke hier zur Erläuterung der These. - Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst – im Irankonflikt, im Irakkonflikt und im Palästinakonflikt.
Klicke hier zur Erläuterung der These.
Ausländerdebatte: Schmelztiegel der Ängste
Nicolas Richter analysiert die gegenwärtig einseitige Ausländerdebatte und fordert die Muslime mehr Einfluss in der Politik zu gewinnen.
Die U-Bahn-Überfälle haben es wieder gezeigt: Wenn Muslime auffällig werden, trübt sich im Westen schnell der Verstand. Es wird Zeit, dass sich eine muslimische Elite herausbildet, die in der deutschen Politik an Einfluss gewinnt.
Seinen empfehlenswerten Artikel findet Ihr hier.

