Neue Zahlen: Migrationsland Deutschland

Das statistische Bundesamt hat neue Zahlen zur Migration veröffentlicht. Etwa 15,3 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, und ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren haben einen Migrationshintergrund.

Mit 14,2 % stammen die meisten Migranten aus der Türkei, gefolgt von der Russischen Föderation (9,4%), Polen (6,9%) und Italien (4,2%).

Weiterhin wird festgehalten, dass die in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund geringer qualifiziert sind. Zehn Prozent haben keinen Schulabschluss (ohne Migrationshintergrund 1,5%), 51% keinen Berufsabschluss (ohne Migrationshintergrund 27%) und 13% sind arbeitslos (ohne Migrationshintergrund 7,5%) (Statistisches Bundesamt).

Aus dem Bericht geht nicht hervor, welche Nationalitäten geringere Qualifikationen aufweisen. Laut der Definition des Statistischen Bundesamtes werden folgende Personengruppen dem Merkmal “Menschen mit Migrationshintergrund” zugeordnet:

Für eine intakte Gesellschaft muss das Bildungsdefizit der Migranten mit entsprechenden Projekten und Förderungen angegangen werden. Wenn der deutsche Sozialstaat aufgrund negativen Bevölkerungswachstums ohne Zuwanderung nicht aufrechterhalten werden kann, dann sollten die Weichen jetzt in die richtige Richtung gestellt werden, wenn man nicht möchte, dass eine Klassengesellschaft entsteht, wo Wenigqualifizierte in soziale Brennpunkte abgedrängt werden. In derartigen Ghettos die deutsche Sprache zu erlernen, sich zu bilden und ein Gewinn für die Gesellschaft zu werden, scheint aussichtslos zu sein.

Der Integrationswille muss zweifelsohne vorhanden sein, denn ohne eine gemeinsame Sprache ist der Austausch nicht möglich. Auflagen, wie es andere Staaten mit Einwanderern handhaben, sind legitim. Integration bedeutet nicht, dass man seine Lebenseinstellungen und Überzeugungen aufgeben muss, um ein Teil der Gesellschaft zu werden. In einem freiheitlich-demokratischen Land kann ich so Leben wie ich möchte, solange ich mich an die Rechtsordnung und Spielregeln halte. Wenn Naturliebhaber ohne Strom abseits der Zivilisation im Wald leben möchten, dann bitte! Niemand hat das Recht aufgrund dessen solche Menschen zu diskriminieren und in der Gesellschaft zu benachteiligen. So muss ich anmerken, auch wenn die Döner-Tasche das Lieblings-Fast-Food Gericht der Deutschen ist, dass der Multi-Kulti Traum ausgeträumt ist.

Ich finde es aber umso schlimmer, dass das Wort Integration erst in den letzten Jahren in den allgemeinen Wortschatz des Ottonormalverbrauchers Einzug gefunden hat. Die erste Generation der Einwanderer beherrschte nicht einmal ein Bruchteil der deutschen Sprache der jetzigen Generation. Aber man hat schnell gemerkt, dass die Reduzierung des Menschen auf Humankapital eine Fehlkalkulation war. Welche Anstrengungen hat die deutsche Politik unternommen, um die so genannten Gastarbeiter in die Gesellschaft zu integrieren? Mein Erdkundelehrer hat mir stets gesagt

Die Betonung des Gastarbeiters liegt auf Gast und Gäste gehen irgendwann wieder.

Anstatt von Abschiebung von ausländischen Arbeitslosen zu sprechen, sollte man wissen, dass man in Deutschland – das gilt auch für Frankreich, Niederlande und andere europäische Länder – einen neuen Kulturkreis erschaffen hat – bewusst oder unbewusst. Der Türke wird hier als Ausländer diskriminiert und in der Türkei als “Almanci”. Das Wort “Almanci” ist eine Synthese aus “Alman” (Deutscher) und “Yabanci” (Fremder). Ist das der Dank dafür, dass meine Eltern hier jahrzehntelang für ein besseres Leben geschuftet haben und dann als Menschen zweiter Klasse angesehen zu werden? In der vermeintlichen “Heimat” kommen sie gar nicht mehr klar, denn die Heimat ist eben – zum Erschrecken der Rechten – Deutschland.

Es ist nur eine Frage der Lebensphilosophie und der Verantwortung der hiesigen Gesellschaft, wie sie mit politischen Asylanten, hilfebedürftigen Menschen und niedergelassenen Gastarbeitern umgehen wollen. Ignorieren oder doch helfen? Einladen oder ausladen oder doch aus der Ferne Beistand aussprechen? Sicherlich liegt die Entscheidung in der Hand dieser Gesellschaft.

Toleranz und die CSU – Zwei polare Welten

Das ZDF plant in einigen Monaten parallel zur Sendung “Wort zum Sonntag“, die sich an gläubige Christen richtet, das “Wort zum Freitag” anzubieten. Das Angebot soll sich nicht wie zu seinem Vorbild als Fernsehsendung erstrecken, sondern es ist lediglich ein Forum auf der Internetseite des Senders vorgesehen.

Zu diesem Vorhaben hat sich der CSU-Generalsekretär Markus Söder gemeldet:

Wir brauchen keinen Moschee-Sender. Dafür sind Gebührengelder nun wirklich nicht da. Ein «Wort zum Freitag» fördert nicht die Integration, sondern bestärkt Parallelgesellschaften.

weiter

Statt über Islamkunde zu reden, sollte mehr über unsere Werte und unsere Alltagskultur berichtet werden. [...] Wie will man ausschließen, dass aggressive Islamgruppen diese Internetplattform für ihre Zwecke nutzen?

Das ist die Aussage einer Partei in einem weit weit entfernten Lande, die die Integration mit Feldstechern aus der Ferne beobachtet. Da kann man dieser Gesinnung nicht Übel nehmen, wenn einige Tunnel-Blick-Beobachtungen und die daraus resultierenden toleranzlosen Erkenntnisse ein Bild der Ignoranz skizzieren. Aber würden sie bloß die Augen dabei nicht verschließen, dann würde ein Hauch von Realität dieses “unkunstvolle” Bild ein wenig bunter schraffieren.

Die CSU hat die Integration zur Chefsache gemacht. Und wie soll man das machen, wenn man den größtmöglichsten Abstand zu diesen “zukünftigen” Mitmenschen beibehält? Wie will man mit “Gästen” vor der verschlossenen Tür sich unterhalten? Durch den Briefschlitz oder durch Briefwechsel? Die CSU schreit mit erhobenem Zeigefinger:

Integriert Euch, o Ihr Unmächtigen der deutschen Sprache. Wenn Du (Prophet) nicht zum Integrationskurs (Berg) kommst, dann lassen wir es nicht zu, dass der Integrationskurs (Berg) zu Dir (zum Propheten) kommt.

Es möge sich Niemand wundern, wenn bald in Bayern neben “Ich (Bello) muss draußen bleiben” ein weiteres Hinweisschild dazu kommt: “Ich (Muslim) muss vor dem Grundstück warten”! Auch für das Verb “integrieren” existiert die Diathese: die Einen, die integriert werden möchten und die Anderen, die integrieren möchten. Man kann aber niemals integriert werden, wenn man nicht integrieren möchte!

Herr Söder denkt wohl, dass er und Seinesgleichen die GEZ allein unterhalten. Ich als Muslim bezahle genauso – nicht weniger und auch nicht mehr – dieselben Gebühren. In einigen Sendungen fühle ich mich als Muslim ausgegrenzt und diskriminiert. Wieso werde ich pauschal und ohne Differenzierung mit Ehrenmorden und Terrorismus in Verbindung gebracht, obwohl ich sie abscheulicher finde als die gesamte Fantribüne in der Allianz-Arena? Wie viel Mitspracherecht habe ich bei der Gestaltung der Programme? Nach Herrn Söder soll der Muslim bezahlen und nur zugucken.

Ich bin der Überzeugung, dass die Muslime ein Forum in dieser Art nicht brauchen, denn es gibt genug solcher. Aber vielleicht braucht das ja unser gemeinsames Deutschland. Und ich gehöre dazu, denn in den Medien wurde es vordiktiert: “Du bist Deutschland“.

Apropos: ich drücke genauso wie alle Einwohner dieses Landes meine Steuern ab. Das Finanzamt fragt nicht nach meiner Religion. Das ist auch gut so! Denn die Zugehörigkeit einer Person zu einer Religion sollte idealerweise den Staat nicht interessieren. Vor dem Gesetz und Staat ist der Mensch gleich. So habe ich es in Deutschland gelernt.

Lieber Herr Söder und liebe CSU Anhänger: mit Ihrer grenzenlosen Ignoranz und unerträglichen Einbildung kann ich Leben. Dafür sollten sie mich wenigstens tolerieren und respektieren. ;-)

Quelle: Quotenmeter

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