Dokumentation: Der Islam – History Channel
Ein gelungener Beitrag.
Ein Muslim auf dem Mond?
In letzter Zeit bin ich sehr spät beim Freitagsgebet erschienen. Ich habe meistens das Gebet gerade noch “erwischt”. Als ich die Moschee betrat, waren die Gläubigen in Reihe und Glied und warteten auf die “Startansage” des Imams. Mit schlechtem Gewissen geplagt, die Predigte der Hutba nicht gehört zu haben, entschloss ich mich dann an einem Freitag eher die Arbeit stehen zu lassen und früher zu Moschee zu eilen.
Mit der Freude unter den “Ersten” zu sein, erzählte der Prediger, wie es sich eben gehört, über Gott und die Welt. Er erzählte eine Geschichte von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond. Er soll nach seiner Mondlandung an einer Messe in Izmir (Türkei) teilgenommen haben. Während seines Aufenthalts soll er den Gebetsruf, der in islamischen Ländern zu den Gebetszeiten gerufen wird, gehört haben. Erstaunt und überrascht über die fremden Klänge und Worte soll er gefragt haben, was dies seien und was sie bedeuten. Die Menschen sollen ihm den Sinn und die Bedeutung des Gebetsrufes erklärt haben. Armstrong soll sich erinnert haben: es sei genau dieselben Worte, die er hörte, als er seinen Fuß zum ersten Mal auf den Mond setzte. Er wurde Muslim! Als der Prediger genau an den richtigen Stellen in der Geschichte stilvoll seine Stimme erhob und senkte, konnte man die Begeisterung der Zuhörer fühlen. Sie waren alle beeindruckt, alle außer mir. Die Geschichte kannte ich, leicht abgeändert, aber im Prinzip war sie gleich.
Nach der Arbeit zu Hause angekommen, ging ich in den Keller und suchte nach einer kleinen Kiste mit Briefen und Erinnerungen aus jungen Jahren. Ich fand in ihr Dokumente aus dem Jahre 1997. Es handelte sich um einige Briefe, die ich Neil Armstrong geschrieben hatte. Und ein Brief kam als Antwort von ihm zurück.
Zu dieser Zeit hatte ich ein Buch von der Stadtbibliothek ausgeliehen. Das Buch hieß “Islam und alles im Namen Allahs” von Karl Günter Simon (bei Amazon habe ich das Buch gefunden). Sofort zu Anfang des Buches wurde die Geschichte von Neil Armstrong so erzählt:
Wer war der erste Mann auf unserem schönen Mond? Hieß er Neil Armstrong? Ganz recht – und weißt du, was er gleich nach der Landung auf dem Mond erlebte? Keine Ahnung. Als er als erster Mensch den Mond betrat, hörte er Stimmen… Stimmen auf dem Mond? Ja, aber er verstand sie nicht. Dann jedoch, ein paar Monate später, kam der Astronaut nach Kairo zu Besuch, und als er durch die Straßen ging, hörte er die Gebetsrufer von den Minaretten Allahu akbar, aschhadu an la ilaha illa Allah, aschhandu anna Muhammadan rasul Allah… Und Armstrong, der kein Arabisch verstand, fragte die Leute, was die Worte bedeuteten: Gott ist größer unvergleichlich groß – so erklärten sie ihm -, ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer dem einen Gott, ich bezeuge: Muhammad ist Gottes Prophet… Und Armstrong erkannte, dass die Stimmen waren, die er auf dem Mond gehört hatte, und er wurde Muslim. Eine schöne Geschichte. Ich konnte sie nicht am Schauplatz nachprüfen, wie es sich eigentlich für eine Reportage eigentlich gehört: Ich war nicht auf dem Mond, ich war nicht in Amerika. Soviel ist klar…
Der Autor schreibt auch am Ende der Geschichte, dass er die notwendigen Recherchen nicht durchführen konnte, um die Authentizität nachzuprüfen. Die Geschichte war so toll und gigantisch, dass ich unbedingt wissen musste, ob sie sich tatsächlich so ereignet hat. Neil Armstrong lebte noch! Da fragt man doch ihn höchst persönlich, oder?
Zu dieser Zeit als Internet ein Privileg war und Suchmaschinen eine Randerscheinung waren, fand ich über die Webseiten der NASA potentielle Adressen, die ich auch prompt anschrieb, bis mir eines Tages eine nette Dame per E-Mail die vollständige Adresse von Herrn Armstrong zuschickte. Mit meinem Schulenglisch verfasste ich den folgenden Brief: Seite 1 und Seite 2.
Legte naiverweise drei Dollar in den Briefumschlag mit, damit er sich Briefmarken davon kaufen konnte
. Viele Tage später erhielt ich einen Brief aus Amerika; sie kam von Neil Armstrong. Eine Vivian White, höchstwahrscheinlich seine Sekretärin (was “Administrative Aide” auch genau heißen mag), schrieb mit dem Briefkopf von Neil Armstrong, dass diese Geschichte unwahr ist. Hier der Brief im Original.
Mit der Suche am heutigen Tag bei Google mit “neil armstrong islam” fand ich Webseiten, die das Hören vom Gebetsruf und die Konvertierung vom ersten Mann auf dem Mod zum Islam als Gerücht und Lüge enttarnt haben. In dieselbe Kategorie fallen auch die angeblichen Übertritte von Jacques Cousteau und Will Smith zum Islam.
Als ich damals den Antwortbrief las, war ich enttäuscht und frustriert. Man konnte es nicht fassen, dass diese tolle, prägende Geschichte nicht wahr ist. Es kamen Zweifel an der Echtheit des Briefes auf. Wer war Vivian White? Wieso antwortet er nicht selber? Wird da etwas verheimlicht…? Ich bin aber immer noch enttäuscht! Nur meine Enttäuschung hat sich mit der Zeit gewandelt. Ich bin enttäuscht über jene verantwortungslosen Muslime, die Lügen und Halbwahrheiten verbreiten, Geschichten erzählen, ohne sie vorher nachgeprüft zu haben. Noch schlimmer ist es, für den Islam mit einer Lüge “zu werben”. All jene, die Wunder suchen und sie nicht erkennen, dafür aber Wunder erfinden, verstehen das Wunder der Schöpfung nicht. Das Leben wäre keine Prüfung, wenn man nicht glauben bräuchte, sondern alles auf der Hand läge. Es wird immer Menschen geben, die glauben und nicht glauben, die anders glauben als die anderen, weniger glauben oder an das glauben, was sie nur sehen.
Was ist die Moral dieser Geschichte?
- Pass auf, was Du erzählst! Sprich über kein Thema, wo Du Dir unsicher bist! Gib stets bei Texten Quellen an! Es kann sein, dass Du oder andere fehlgeleitet oder enttäuscht werden.
- Im Islam gibt es keine Missionierung, denn erstens gibt es keinen Zwang im Glauben und zweitens die Rechtleitung liegt in Gottes Hand. Respektiere den anderen und seine Überzeugung. Lebe den Islam! Sei aufrichtig und gerecht, wie es der Islam verlangt. Das ist die “muslimische Missionierung”.
- Wunder gibt es genug, schalte nur Deinen Verstand ein!
- Und glaub nicht blind an alles, was Du hörst! Das gilt als aller Erstes für mich
Osmanische Stadtuhr im Herzen von Mexiko-City
Meine Freunde vom Akabe Kulturverein haben einen sehr interessanten Artikel über eine osmanische Uhr in Mexiko auf ihrer Webseite veröffentlicht. In drei Jahren werden es dann genau 100 Jahre verstrichen sein, seitdem diese epochale Uhr im Herzen von Mexiko City tickt.
Laut dem Beitrag hat Sultan Resad [Reschad] als Symbol der Freundschaft zwischen den beiden Völkern ein bleibendes Geschenk an die Mexikaner machen wollen. Als Ergebnis entstand dann eine klassische Stadtuhr in osmanischer Bauweise mit typisch-türkischen Porzellanverzierungen.
Auch der Zahn der Zeit hat an der historischen Stadtuhr genagt. Vor allem das Porzellan bedürfe einer “Generalüberholung”. Leider kennen sich die Mexikaner mit der osmanischen Kunst nicht, so dass sie Ausschau nach einer Restaurationstruppe aus der Türkei halten.
Guckst Du:

Osmanische Stadtuhr in Mexiko

La Colona Otomana a Mexico. Septembre de 1910 – Vom Osmanischen Reich für Mexiko. September 1910

Quelle: Akabe.de
Flashfilme: Geschichte in 90 Sekunden
Geschichte ist faszinierend! Es ist wie eine Erzählung voller Abenteuer. In 20 Minuten ist das ganze Leben einer historischen Figur erzählt. Wenn man zwischen den Zeilen liest, dann gibt es auch Lebensweisheiten. Man lernt durch die Fehler anderer.
Das Leben ist wie ein Fenster, wo Menschen vorbeigehen und hindurchschauen. Muhammad (s) hat mal gesagt (eigene Übersetzung aus dem Türkischen):
“Ich bin wie ein Reisender, der auf der Erde unter dem Schatten eines Baumes sich ausruht und weiterzieht.”
Guckst Du: Geschichte in 90 Sekunden:
Ein Stück Stoff ändert das Leben – Leider!
In der Berliner Morgenpost fand ich diesen interessanten Artikel.
Guckst Du:
Für einen Tag legt eine Morgenpost-Reporterin ein Kopftuch an und wird optisch zur Muslimin. Ein Selbstversuch
Von Nicole Dolif
Oft, sehr oft, hat meine Bekannte Fatma mir von ihren Erfahrungen als Frau mit Kopftuch in Berlin erzählt. Fatma lebt seit mehr als 30 Jahren hier und spricht perfekt Deutsch. Ihre Tochter studiert. Und doch sagt sie: “Mit einem Kopftuch wirst du als Mensch zweiter Klasse behandelt.”
Bis jetzt konnte ich mir das nicht vorstellen. In Berlin leben 240 000 Muslime und dort, wo ich wohne, in Kreuzberg, gehören muslimische Frauen zum Straßenbild. “Aber sobald man tief in den Westen oder in den Osten fährt, starren die Menschen einen an”, sagt Fatma. “Nach Zehlendorf oder Marzahn fahre ich nur noch, wenn es unbedingt sein muss.”
Ich will wissen, wie diese Blicke sich anfühlen, die ablehnenden, die unsicheren – und auch die neugierigen. Für einen Tag verwandele ich mich in eine muslimische Frau, mit Kopftuch und langem Mantel.
Sorgfältig bürste ich meine Haare und binde sie straff nach hinten. Darauf setze ich ein weißes Käppi, das sogenannte Untertuch. Es soll dafür sorgen, dass das Tuch nicht verrutscht und sich keine Haare hervorkringeln.
Dann kommt das Tuch. Mittelblau, reine Seide. Fatma hilft mir, es richtig zu binden. Es wird mit einer Falte über den Kopf gelegt, dann unter dem Kinn mit einer Stecknadel befestigt. Die Enden werden kunstvoll drapiert und an der Schulter festgesteckt. Eine weitere Stecknadel oben auf dem Kopf hält alles an seinem Platz. Zaghaft bewege ich den Kopf hin und her. Nichts rutscht.
Im Spiegel eine fremde Frau
“Siehst toll aus”, sagt Fatma und strahlt mich an. “Richtig schick.” Ermutigt schaue ich in den Spiegel. Und sehe eine fremde Frau. Eine, die mir zwar ähnlich sieht. Aber eben nur ähnlich. Das Tuch umrahmt mein Gesicht und gibt ihm etwas Ernsthaftes, fast Strenges. Der lange Mantel ist elegant. Eine Weile laufe ich vor dem Spiegel auf und ab, gewöhne mich an mein neues Äußeres.Dann gehe ich los. Meine Bekannte wohnt im Graefekiez. Multikulti, überall Cafés und Kneipen. Das macht mir die ersten Schritte mit meiner neuen Identität leicht. Zielstrebig gehe ich auf ein Café zu. Fast jeden Tag war ich im vergangenen Sommer hier. Man kennt sich – dachte ich zumindest. Doch als ich mich an einem Tisch niederlasse, fragt die Kellnerin: “Was kann ich Ihnen bringen?” Ich bin verdutzt. “Hey, erkennst du mich denn nicht’, will ich sagen. “Ich trage doch nur ein Kopftuch.’ Aber ich sage nichts, sondern bestelle einen Milchkaffee. Es ist nicht besonders voll an diesem Morgen. Niemand nimmt Notiz von mir. Eine Frau mit Kopftuch ist hier nichts Besonderes.
Am Flughafen in Tegel und am Hauptbahnhof komme ich mir vor wie unsichtbar. Menschen mit Koffern hasten an mir vorbei. Kein Anrempeln, kein Blick in die Augen. Es ist fast, als sei ich gar nicht da. Das Kopftuch wirkt wie eine Tarnkappe – man verschwindet einfach. “Frauen mit Kopftuch werden oft nicht direkt angesehen. Es ist den Leuten irgendwie unangenehm”, erklärt mir Fatma.
Religiöse Gründe überwiegen
Sie hat das selbst erlebt. Diesen Unterschied. Denn Fatma hat nicht immer Kopftuch getragen. Erst vor etwa zehn Jahren hat sie angefangen, sich intensiver mit ihrem Glauben zu beschäftigen. “Dann hatte ich das Bedürfnis, ein Kopftuch zu tragen”, sagt sie. Aus eigenem Antrieb. Nicht, weil jemand es von ihr verlangt hätte.Damit bestätigt Fatma das Ergebnis einer neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Autoren haben 315 türkischstämmige Frauen befragt, warum sie ein Kopftuch tragen. Das Ergebnis: Das Tuch wird aus religiösen Gründen getragen. Der Einfluss männlicher Familienmitglieder spielt eine untergeordnete Rolle.
Und doch werden die Frauen, die ein Kopftuch tragen, als schwach wahrgenommen, als unterdrückt und nicht integriert. “Viele Menschen”, sagt Fatma, “gehen automatisch davon aus, dass ich kein Deutsch kann.” Oder davon, dass sie mit ihrem Kopftuch hier nichts zu suchen hat. Als sie vor einiger Zeit am Urbanhafen einen Hundebesitzer bat, seinen Hund an die Leine zu nehmen, da sie kleine Kinder dabei habe, sagte der nur: “Wenn dir das hier nicht passt, kannst du ja zurück in die Türkei gehen.” “So etwas ist mir ohne Kopftuch nie passiert”, sagt Fatma.
Am Kudamm betrete ich die Kosmetikabteilung eines großen Kaufhauses. Ich probiere Lidschatten und Puder, schaue mir verschiedene Lippenstifte an. Nur wenig entfernt stehen zwei Verkäuferinnen. Sie unterhalten sich angeregt, schauen mich kurz an – und reden dann weiter. Niemand kommt zu mir, fragt mich, ob ich Hilfe brauche. Oder wofür ich mich interessiere. Sicher eine Viertelstunde lang. Die Blicke der Verkäuferinnen sind unsicher. So als wüssten sie nicht genau, was sie mir, einer Frau mit Kopftuch, überhaupt zeigen könnten. Ich bin in eine Welt eingedrungen, in die ich nicht gehöre.
In die Augen schaut niemand
Auf dem Teltower Damm herrscht lebhafte Einkaufsatmosphäre. Ich bin die einzige Frau mit einem Kopftuch. Langsam schlendere ich an den Geschäften vorbei und beobachte dabei die Menschen, die mir entgegenkommen. An ihren Gesichtern kann ich erkennen, was in ihren Köpfen vorgeht. “Ob die wohl gezwungen wird, dass Ding zu tragen? Und ob die überhaupt Deutsch versteht?’ Doch richtig ins Gesicht, in die Augen, schaut mir niemand. Am Kontoauszugsdrucker der Sparkasse versuche ich, Blickkontakt zu der Frau gegenüber aufzunehmen. Nur einen Meter sind wir voneinander entfernt. Doch sie schaut kein einziges Mal zu mir. Ihr Blick ist auf den Boden gerichtet, als sei ich ihr unangenehm.Langsam habe ich genug davon, weit und breit die einzige muslimisch aussehende Frau zu sein. Ich sehne mich zurück nach Kreuzberg. Möchte für eine Weile abtauchen zwischen den vielen Kopftuchträgerinnen auf dem Kottbusser Damm.
Schon nach den ersten Metern wird mein Schritt dort fester, selbstbewusster. Neben mir, vor mir, hinter mir – überall Frauen wie ich. Niemand wirft mir einen verstohlenen Blick zu. An einem Obststand bleibe ich stehen. Der Verkäufer fuchtelt mit einem Apfel in der Hand vor mir herum und redet ganz selbstverständlich auf Türkisch auf mich ein. “Es tut mir leid, ich verstehe nichts”, sage ich schließlich. “Ach so”, sagt er sofort auf Deutsch, “ich habe nur gesagt, dass diese Äpfel hier besonders gut sind. Kannst Du probieren.” Ich lächle ihn an. Es ist das erste Mal an diesem Tag, dass jemand auf mich als Person reagiert – und nicht nur auf das Kopftuch.
Respekt von Jugendlichen
An der Ecke zum Paul-Lincke-Ufer stehen ein paar türkische Jugendliche. Vielleicht so 16 oder 17 Jahre alt. Sie spielen mit ihren Handys, flachsen herum. Schon oft bin ich an solchen Cliquen vorbeigegangen. Und eigentlich kam jedes Mal irgendeine Bemerkung. Diesmal passiert das Unerwartete: Als ich mit meinem Kopftuch vorbeimarschiere, gehen sie wohlerzogen zur Seite und machen mir Platz. Freundliches Lächeln, keine Anmache: Das Kopftuch als Schutz vor pubertierenden Jugendlichen. Doch in die Überraschung mischt sich Ärger. Schließlich will ich auch als Frau mit offenem Haar ohne Belästigung durch die Straßen laufen können.Die Wirkung des Kopftuches ist groß. Dabei ist es nur ein kleines Stück Stoff. 100 mal 100 Zentimeter groß. Manchmal etwas größer. Und doch verändert es alles. Es ist Anlass für hitzige Debatten. Es sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frau – sagen die einen. Die anderen, dass sie sich diskriminiert fühlen, durch ein Verbot in ihrer Religionsausübung behindert.
Die Blicke, die ich wahrgenommen habe, waren teils ablehnend, teils unsicher. Vielleicht hätte der eine oder andere Berliner mich sogar angesprochen. Mich gefragt, warum ich dieses Tuch trage. Und wie ich mich damit fühle. Aber die Berührungsängste waren zu groß, es blieb bei verstohlenen Blicken.
Mein Tag als muslimische Frau geht zu Ende. Ich ziehe den langen Mantel aus und schlüpfe in meine Daunenjacke. Fatma hilft mir, die Nadeln aus dem Tuch zu ziehen. Meine Haare kleben unter dem Käppi am Kopf. Mit allen Fingern fahre ich hindurch, schüttele meinen Kopf hin und her. Es fühlt sich gut an. Leicht und frei. Endlich kann ich mich wieder am Ohr kratzen, ohne Angst zu haben, dass das Tuch verrutscht.
“Man gewöhnt sich so schnell an das Kopftuch”, sagt Fatma, “ich fühle mich mittlerweile ohne Tuch regelrecht nackt.” Bei ihr ist das Kopftuch eine Überzeugung. Für mich war es der Versuch nachzuempfinden, wie sich muslimische Frauen in unserer Stadt fühlen. Es war eine Verkleidung. Und nach einem Tag im Kostüm ist es gut, wieder ich selbst zu sein. Auch wenn mir die türkischen Jugendlichen vor dem Internetcafé in unserer Straße jetzt sicher wieder hinterher pfeifen.
So eine wie die brauchen wir nicht
Eine Szene will mir auch danach nicht aus dem Kopf. Auf dem Weg zum Auto sehe ich am Teltower Damm neben einer Bushaltestelle ein älteres Ehepaar sitzen. Der Mann trägt eine hellblaue Baseball-Kappe und sitzt auf der Bank, sie steht neben ihm. Ich spüre ihre Blicke, beschleunige meinen Schritt. Als ich an den beiden vorbeigehe, höre ich, wie er zu ihr sagt: “So eine wie die können wir hier nicht brauchen.” Ich erstarre, will mich umdrehen, den Mann zur Rede stellen. Doch die beiden sind schon aufgestanden und gehen in die andere Richtung.Welche Demütigung. Nicht das Kopftuch, sondern die Feindseligkeit dieses Mannes.
Quelle: Berliner Morgenpost

