Nominierung zum Muslim des Jahres 2008: Frank „Bilal“ Ribéry
Nicht einmal die erste Hälfte des Jahres 2008 ist zu Ende, trotzdem möchte ich schon vorab meine Nominierung für den „Muslim des Jahres 2008“ für Deutschland bekannt geben. Kurzzeitig musste ich überlegen, ob dieser Preis überhaupt verliehen wird. Wenn nicht, dann könnte man ihn einführen, wenn doch, dann sollte sich die Jury meinen Vorschlag zu Herzen nehmen.
Ich nominiere nicht irgendeinen bestplatzierten muslimischen Professor, der sich beim Nobelpreis mit dem 218. Platz begnügen musste, oder irgendeinen „Meister-Konverter“, der in diesem Jahr 3122 Nicht-Muslime zum Islam konvertiert hat, oder einen Imam, der den Koran zwei Mal in Folge auswendig gelernt hat. Nein, ich nominiere den französischen Fußballstar Frank „Bilal“ Ribéry vom frischgebackenen deutschen Rekordmeister FC Bayern München zum Muslim des Jahres 2008! TATAAA… Überrascht? Wieso gerade er? Was sind seine Verdienste?
Ribéry hat es geschafft den betenden Muslim in deutsche Wohnzimmer zu tragen! Es prägten uns die Bilder seines Bittgebets vor jedem Spielanpfiff mit ausgestreckten Armen und offenen Handflächen nach oben gerichtet, mit gesenktem Kopf und verschlossenen Augen, konzentriert, vertieft im Gebet, Allah bittend… Sogar Premiere startete eine Werbekampagne, die ungewollt vom betenden Ribéry ausgegangen war: „Die Gebete wurden erhört!“.
Der Knackpunkt seiner Beliebtheit ist nicht das obligatorische Bittgebet vor dem Spiel gewesen, sondern es waren seine fußballerischen Fertigkeiten, die den FC Bayern München zum Meistertitel verholfen haben. Er war einfach gut, vielleicht sogar der Beste in dem, was er machte, nämlich Fußballspielen. Dass er ein konvertierter Muslim ist, war eine Nebensache, die seitens der Moderatoren immer nur am Rande erwähnt blieb. Die Münchner Fans schlossen ihn in ihre Herzen ein, weil er ihnen das gab, was sie von ihm wollten: ein Klasse Spiel und schöne Tore!
Er hat weder seine islamische Identität groß an die Glocke gehangen noch die Menschen zum Islam gerufen. Er ist einfach seiner Profession nachgegangen und hat sie „muslim-like“ mit einem Lächeln auf den Lippen in größter Bravur absolviert. Er wurde zum Sympathieträger und Vorbild vieler junger deutscher Fußballtalente. Er ist auch uns Muslimen zum Vorbild geworden und hat uns gezeigt, wie man in der Gesellschaft akzeptiert und sogar geliebt werden kann.
Mein Lieblingsleitsatz ist: „Produzieren statt Konsumieren!“ Dieser Satz impliziert, dass man aktiv für diese Gesellschaft etwas auf die Beine bringt, etwas von sich gibt, sie bereichert, sie weiterbringt und nicht nur nimmt und konsumiert. „Die gebende Hand ist besser als die nehmende“ hat Muhammad – Gottes Segen und Heil auf ihn – gesagt. Und das hat Ribéry gemacht, er gab seinen Fans, was sie erwarteten – guten Fußball! Deswegen hat man ihn anerkannt und geliebt. Es gibt zahlreiche muslimische Profifußballer, nur keiner hat den Muslim salonfähig gemacht wie Ribéry.
Wenn Frank „Bilal“ Ribéry ein Vorbild für uns Muslime ist, dann müssen wir wie er, erstens unsere muslimische Identität nicht verstecken, sie aber auch nicht an die große Glocke hängen und zweitens die Besten in dem sein, was wir können und die Gesellschaft damit bereichern.
Ich freue mich auf die kommende Europameisterschafft und bereits schon auf die nächste Saison mit Ribéry & Co.
Nachtrag: Der Artikel Franck Bilal Ribéry “Immer an Gott glauben” wurde von einer Freundin empfohlen, der eine gute Ergänzung zu diesem Beitrag ist.
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