Bayern ist irgendwie immer dabei

Ich musste leider wieder feststellen, dass in bestimmten Themengebieten Bayern immer wieder auftaucht. Bayern ist irgendwie immer dabei ;-)

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Studie stellt hohe Ausländerfeindlichkeit fest

Fast jeder zweite Deutsche ist einer Studie zufolge fremdenfeindlich eingestellt. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Das Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld fand heraus, dass die Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland mit 60 Prozent wesentlich stärker ausgeprägt ist als im Westen mit knapp 46 Prozent. Das höchste Maß an Fremdenfeindlichkeit zeigt sich den Experten zufolge in Mecklenburg-Vorpommern, wo knapp 64 Prozent der Einwohner eine solche Haltung an den Tag legen. Es folgt Thüringen mit gut 61 Prozent. Im Westen liegen das Saarland und Bayern an der Spitze. Der niedrigste Wert wurde in Berlin ermittelt.

Quelle: MDR

Ein Stück Stoff ändert das Leben - Leider!

In der Berliner Morgenpost fand ich diesen interessanten Artikel.
Guckst Du:

Für einen Tag legt eine Morgenpost-Reporterin ein Kopftuch an und wird optisch zur Muslimin. Ein Selbstversuch

Von Nicole Dolif

Oft, sehr oft, hat meine Bekannte Fatma mir von ihren Erfahrungen als Frau mit Kopftuch in Berlin erzählt. Fatma lebt seit mehr als 30 Jahren hier und spricht perfekt Deutsch. Ihre Tochter studiert. Und doch sagt sie: “Mit einem Kopftuch wirst du als Mensch zweiter Klasse behandelt.”

Bis jetzt konnte ich mir das nicht vorstellen. In Berlin leben 240 000 Muslime und dort, wo ich wohne, in Kreuzberg, gehören muslimische Frauen zum Straßenbild. “Aber sobald man tief in den Westen oder in den Osten fährt, starren die Menschen einen an”, sagt Fatma. “Nach Zehlendorf oder Marzahn fahre ich nur noch, wenn es unbedingt sein muss.”

Ich will wissen, wie diese Blicke sich anfühlen, die ablehnenden, die unsicheren - und auch die neugierigen. Für einen Tag verwandele ich mich in eine muslimische Frau, mit Kopftuch und langem Mantel.

Sorgfältig bürste ich meine Haare und binde sie straff nach hinten. Darauf setze ich ein weißes Käppi, das sogenannte Untertuch. Es soll dafür sorgen, dass das Tuch nicht verrutscht und sich keine Haare hervorkringeln.

Dann kommt das Tuch. Mittelblau, reine Seide. Fatma hilft mir, es richtig zu binden. Es wird mit einer Falte über den Kopf gelegt, dann unter dem Kinn mit einer Stecknadel befestigt. Die Enden werden kunstvoll drapiert und an der Schulter festgesteckt. Eine weitere Stecknadel oben auf dem Kopf hält alles an seinem Platz. Zaghaft bewege ich den Kopf hin und her. Nichts rutscht.

Im Spiegel eine fremde Frau

“Siehst toll aus”, sagt Fatma und strahlt mich an. “Richtig schick.” Ermutigt schaue ich in den Spiegel. Und sehe eine fremde Frau. Eine, die mir zwar ähnlich sieht. Aber eben nur ähnlich. Das Tuch umrahmt mein Gesicht und gibt ihm etwas Ernsthaftes, fast Strenges. Der lange Mantel ist elegant. Eine Weile laufe ich vor dem Spiegel auf und ab, gewöhne mich an mein neues Äußeres.Dann gehe ich los. Meine Bekannte wohnt im Graefekiez. Multikulti, überall Cafés und Kneipen. Das macht mir die ersten Schritte mit meiner neuen Identität leicht. Zielstrebig gehe ich auf ein Café zu. Fast jeden Tag war ich im vergangenen Sommer hier. Man kennt sich - dachte ich zumindest. Doch als ich mich an einem Tisch niederlasse, fragt die Kellnerin: “Was kann ich Ihnen bringen?” Ich bin verdutzt. “Hey, erkennst du mich denn nicht’, will ich sagen. “Ich trage doch nur ein Kopftuch.’ Aber ich sage nichts, sondern bestelle einen Milchkaffee. Es ist nicht besonders voll an diesem Morgen. Niemand nimmt Notiz von mir. Eine Frau mit Kopftuch ist hier nichts Besonderes.

Am Flughafen in Tegel und am Hauptbahnhof komme ich mir vor wie unsichtbar. Menschen mit Koffern hasten an mir vorbei. Kein Anrempeln, kein Blick in die Augen. Es ist fast, als sei ich gar nicht da. Das Kopftuch wirkt wie eine Tarnkappe - man verschwindet einfach. “Frauen mit Kopftuch werden oft nicht direkt angesehen. Es ist den Leuten irgendwie unangenehm”, erklärt mir Fatma.

Religiöse Gründe überwiegen

Sie hat das selbst erlebt. Diesen Unterschied. Denn Fatma hat nicht immer Kopftuch getragen. Erst vor etwa zehn Jahren hat sie angefangen, sich intensiver mit ihrem Glauben zu beschäftigen. “Dann hatte ich das Bedürfnis, ein Kopftuch zu tragen”, sagt sie. Aus eigenem Antrieb. Nicht, weil jemand es von ihr verlangt hätte.Damit bestätigt Fatma das Ergebnis einer neuen Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Autoren haben 315 türkischstämmige Frauen befragt, warum sie ein Kopftuch tragen. Das Ergebnis: Das Tuch wird aus religiösen Gründen getragen. Der Einfluss männlicher Familienmitglieder spielt eine untergeordnete Rolle.

Und doch werden die Frauen, die ein Kopftuch tragen, als schwach wahrgenommen, als unterdrückt und nicht integriert. “Viele Menschen”, sagt Fatma, “gehen automatisch davon aus, dass ich kein Deutsch kann.” Oder davon, dass sie mit ihrem Kopftuch hier nichts zu suchen hat. Als sie vor einiger Zeit am Urbanhafen einen Hundebesitzer bat, seinen Hund an die Leine zu nehmen, da sie kleine Kinder dabei habe, sagte der nur: “Wenn dir das hier nicht passt, kannst du ja zurück in die Türkei gehen.” “So etwas ist mir ohne Kopftuch nie passiert”, sagt Fatma.

Am Kudamm betrete ich die Kosmetikabteilung eines großen Kaufhauses. Ich probiere Lidschatten und Puder, schaue mir verschiedene Lippenstifte an. Nur wenig entfernt stehen zwei Verkäuferinnen. Sie unterhalten sich angeregt, schauen mich kurz an - und reden dann weiter. Niemand kommt zu mir, fragt mich, ob ich Hilfe brauche. Oder wofür ich mich interessiere. Sicher eine Viertelstunde lang. Die Blicke der Verkäuferinnen sind unsicher. So als wüssten sie nicht genau, was sie mir, einer Frau mit Kopftuch, überhaupt zeigen könnten. Ich bin in eine Welt eingedrungen, in die ich nicht gehöre.

In die Augen schaut niemand

Auf dem Teltower Damm herrscht lebhafte Einkaufsatmosphäre. Ich bin die einzige Frau mit einem Kopftuch. Langsam schlendere ich an den Geschäften vorbei und beobachte dabei die Menschen, die mir entgegenkommen. An ihren Gesichtern kann ich erkennen, was in ihren Köpfen vorgeht. “Ob die wohl gezwungen wird, dass Ding zu tragen? Und ob die überhaupt Deutsch versteht?’ Doch richtig ins Gesicht, in die Augen, schaut mir niemand. Am Kontoauszugsdrucker der Sparkasse versuche ich, Blickkontakt zu der Frau gegenüber aufzunehmen. Nur einen Meter sind wir voneinander entfernt. Doch sie schaut kein einziges Mal zu mir. Ihr Blick ist auf den Boden gerichtet, als sei ich ihr unangenehm.Langsam habe ich genug davon, weit und breit die einzige muslimisch aussehende Frau zu sein. Ich sehne mich zurück nach Kreuzberg. Möchte für eine Weile abtauchen zwischen den vielen Kopftuchträgerinnen auf dem Kottbusser Damm.

Schon nach den ersten Metern wird mein Schritt dort fester, selbstbewusster. Neben mir, vor mir, hinter mir - überall Frauen wie ich. Niemand wirft mir einen verstohlenen Blick zu. An einem Obststand bleibe ich stehen. Der Verkäufer fuchtelt mit einem Apfel in der Hand vor mir herum und redet ganz selbstverständlich auf Türkisch auf mich ein. “Es tut mir leid, ich verstehe nichts”, sage ich schließlich. “Ach so”, sagt er sofort auf Deutsch, “ich habe nur gesagt, dass diese Äpfel hier besonders gut sind. Kannst Du probieren.” Ich lächle ihn an. Es ist das erste Mal an diesem Tag, dass jemand auf mich als Person reagiert - und nicht nur auf das Kopftuch.

Respekt von Jugendlichen

An der Ecke zum Paul-Lincke-Ufer stehen ein paar türkische Jugendliche. Vielleicht so 16 oder 17 Jahre alt. Sie spielen mit ihren Handys, flachsen herum. Schon oft bin ich an solchen Cliquen vorbeigegangen. Und eigentlich kam jedes Mal irgendeine Bemerkung. Diesmal passiert das Unerwartete: Als ich mit meinem Kopftuch vorbeimarschiere, gehen sie wohlerzogen zur Seite und machen mir Platz. Freundliches Lächeln, keine Anmache: Das Kopftuch als Schutz vor pubertierenden Jugendlichen. Doch in die Überraschung mischt sich Ärger. Schließlich will ich auch als Frau mit offenem Haar ohne Belästigung durch die Straßen laufen können.Die Wirkung des Kopftuches ist groß. Dabei ist es nur ein kleines Stück Stoff. 100 mal 100 Zentimeter groß. Manchmal etwas größer. Und doch verändert es alles. Es ist Anlass für hitzige Debatten. Es sei ein Symbol für die Unterdrückung der Frau - sagen die einen. Die anderen, dass sie sich diskriminiert fühlen, durch ein Verbot in ihrer Religionsausübung behindert.

Die Blicke, die ich wahrgenommen habe, waren teils ablehnend, teils unsicher. Vielleicht hätte der eine oder andere Berliner mich sogar angesprochen. Mich gefragt, warum ich dieses Tuch trage. Und wie ich mich damit fühle. Aber die Berührungsängste waren zu groß, es blieb bei verstohlenen Blicken.

Mein Tag als muslimische Frau geht zu Ende. Ich ziehe den langen Mantel aus und schlüpfe in meine Daunenjacke. Fatma hilft mir, die Nadeln aus dem Tuch zu ziehen. Meine Haare kleben unter dem Käppi am Kopf. Mit allen Fingern fahre ich hindurch, schüttele meinen Kopf hin und her. Es fühlt sich gut an. Leicht und frei. Endlich kann ich mich wieder am Ohr kratzen, ohne Angst zu haben, dass das Tuch verrutscht.

“Man gewöhnt sich so schnell an das Kopftuch”, sagt Fatma, “ich fühle mich mittlerweile ohne Tuch regelrecht nackt.” Bei ihr ist das Kopftuch eine Überzeugung. Für mich war es der Versuch nachzuempfinden, wie sich muslimische Frauen in unserer Stadt fühlen. Es war eine Verkleidung. Und nach einem Tag im Kostüm ist es gut, wieder ich selbst zu sein. Auch wenn mir die türkischen Jugendlichen vor dem Internetcafé in unserer Straße jetzt sicher wieder hinterher pfeifen.

So eine wie die brauchen wir nicht

Eine Szene will mir auch danach nicht aus dem Kopf. Auf dem Weg zum Auto sehe ich am Teltower Damm neben einer Bushaltestelle ein älteres Ehepaar sitzen. Der Mann trägt eine hellblaue Baseball-Kappe und sitzt auf der Bank, sie steht neben ihm. Ich spüre ihre Blicke, beschleunige meinen Schritt. Als ich an den beiden vorbeigehe, höre ich, wie er zu ihr sagt: “So eine wie die können wir hier nicht brauchen.” Ich erstarre, will mich umdrehen, den Mann zur Rede stellen. Doch die beiden sind schon aufgestanden und gehen in die andere Richtung.Welche Demütigung. Nicht das Kopftuch, sondern die Feindseligkeit dieses Mannes.

Quelle: Berliner Morgenpost

Die andere Seite der Multikulti-Medaille

Alle kennen die Rütli-Schule, auch Diejenigen, die noch nie in Berlin waren. Die “Ghetto-Schule” in Berlin-Kreuzberg. Das Paradebeispiel der gescheiterten Integration. Die Schüler sind die integrationsunwilligen Sündenböcke der Nation… so habe ich diese Schule aus den Medien wahrgenommen.

Die andere Seite der Medaille hat uns der Deutscher Schulpreis gezeigt, der von der Robert-Bosch-Stiftung ausgeschrieben wurde. Eine Schule mit 83% Migrantenanteil in der Nordstadt Dortmunds ist die beste Schule in der Bundesrepublik! Die Schulleiterin sagt: “Diese Kinder haben nur eine Chance: Bildung.”
Zwei Extrema als Ergebnis, aber die Schulen unterliegen doch den selben Voraussetzungen. Beide Städte weisen die gleichen sozialen und kulturellen Probleme auf, beide Schulen haben einen großen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, aber doch zwei völlig entgegengesetzte Resultate.

Der Unterschied liegt einfach darin, dass die Einen verstanden haben, wie sie das Problem der multikulturellen Bildung anzupacken haben, und die Anderen ignoriert haben, dass Deutschlands Zukunfts in den Händen der einheimischen Kindern und Migrantenkindern liegt.

Wenn die Politik und die Menschen in Deutschland begreifen würden, dass in den kommenden Jahrzenhten Deutschland bei sinkenden Geburtenraten der Einheimischen und stark positiven Bevölkerungswachstum der Migranten ein multikulturelles Einwanderungsland wird, dann würde man auch unter Integration auch etwas ganz Anderes verstehen.

Guckst Du:

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Die Grundschule aus Dortmund macht vor allem ihre Lage zur Siegerschule: Sie liegt mitten in einem sozialen Brennpunkt, der Nordstadt von Dortmund. 83 Prozent der Schüler kommen aus Migrantenfamilien oft mit schwieriger sozialer Situation und Deutsch als Zweitsprache. Trotzdem hat die Schule es geschafft, von den 72 Viertklässlern aus dem Jahrgang 2004 zwei Drittel aufs Gymnasium oder die Gesamtschule zu schicken, darunter 42 Migrantenkinder. An der Kleinen Kielstraße gehen Erst- und Zweitklässler gemeinsam in eine Klasse. Gewalt wird nicht geduldet. Die Lehrer bereiten ihren Unterricht gemeinsam vor. Die Türen zu den Klassenzimmern stehen immer offen und die Eltern werden per Vertrag zur Mitarbeit verpflichtet; die Schule kümmert sich um den Stadtteil.

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Quelle: Spiegel-Online